Foto: Bernd Herzog-Schlagk

Bernd Herzog-Schlagk vom Fuss e.V. beklagt, dass "dieser historisch so herausragende innerstädtische Straßenzug aufgrund der durch querende Fahrbahnen zerstückelten Mittelpromenade und der Lärmbelästigung für die Mehrzahl der Fußgängerinnen und Fußgänger keinen Charme und keine Aufenthaltsqualität mehr hat." Der Verband ist der Ansicht, dass die Bauzeit der kommenden Jahre an der U-Bahn auch eine Chance darstellt, darüber nachzudenken, wie die ehemalige Prachtmeile für die Zukunft gestaltet werden soll.

In der im Juli letzten Jahres vom Berliner Senat verabschiedeten "Fußverkehrsstrategie für Berlin" ist als Modellprojekt 5 die Umsetzung von drei Pilotvorhaben der fußgängerfreundlichen Verkehrsregelung "Begegnungszonen" vorgesehen. Eine davon soll in einem "Bereich mit herausgehobener touristischer Bedeutung" umgesetzt werden. Nach Herzog-Schlagk "gibt es keine andere Straße in Berlin mit einer derartigen Bedeutung für den Tourismus". Deshalb schlägt der Verband in der derzeit laufenden Findungs-Phase vor, Deutschlands bekannteste "Flaniermeile" in den Abwägungsprozess einzubeziehen. Neben der Einführung einer Begegnungszone im Bereich zwischen der Humboldt-Universität und dem Opernplatz wird empfohlen, durch die Herstellung niveaugleicher Gehwegüberfahrten die Promenade aus der Sicht der Fußgänger optisch und auch verkehrsrechtlich zusammenzufügen, ohne dadurch die Straßenstruktur wesentlich zu beeinflussen. In den kommenden Monaten der Bauzeit werde sich noch deutlicher als bereits in den letzten Jahren zeigen, dass der Verkehr in der Stadt keinesfalls zusammenbricht, wenn an diesem Straßenabschnitt weniger Kraftfahrzeuge fahren.

Wichtig ist der Fußgänger-Lobby, dass die Verkehrssicherheit an allen Querungsstellen überprüft und entsprechend verbessert wird. Für diese Maßnahmen wäre das Modellprojekt 3 der Fußverkehrsstrategie, die Schwachstellen-Analyse (Fußverkehrs-Audit) eine gute Grundlage. Darüber hinaus wird darauf verwiesen, dass die Straße Unter den Linden in Reiseführern zwar noch immer als Prachtstraße bezeichnet wird, zu dunkleren Tageszeiten - außer im Advent und beim "Festival of Lights" - aber kaum noch erstrahlt. Nachdem die Nazis die an Kettenzügen über der Mittelpromenade hängenden Lampen entfernten, befinden sich heute an den Rändern Leuchtstäbe, die direkt den Fahrstreifen beleuchten, den Fußgängern aber wenig nutzen. Auch in den Seitenbereichen werden fast durchgängig nicht die Gehwege, sondern die Pkw-Parkstreifen und Fahrradabstellanlagen beleuchtet. Deshalb gibt es an Straßenabschnitten ohne Schaufenster "Dunkelzonen", wie sie ein großstädtischer Boulevard nicht haben sollte.

Wenn sich Berlin nicht nur als eine Stadt mit Flanier-Tradition, sondern auch aktuell als Stadt des Spazierengehens und Flanierens präsentieren möchte, hätte die Aufwertung der Straße Unter den Linden über Berlins Grenzen hinaus eine erhebliche Signalwirkung. Nach Ansicht des Fuss e.V. bietet die Beschlusslage zur "Fußverkehrsstrategie" beste Grundlagen dafür, zukünftig wieder mehr Lebensqualität in diesen Straßenzug zu bekommen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.flaniermeile-berlin.de, eine Diskussion ist vom Verband ausdrücklich erwünscht.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 16. Februar 2012