Fußgänger sind gerade in den Innenstädten keine Minderheit, sondern bilden dort oft die relative Mehrheit: Erstmals legten 2013 Berlins Einwohner mehr Wege zu Fuß als mit dem Auto (Fahrer und Mitfahrer) zurück. Mit einem Anteil von 31 Prozent steht der Fußverkehr damit in der Bundeshauptstadt an der Spitze, gefolgt vom motorisierten Individualverkehr MIV mit 29,6, dem ÖPNV mit 27 und dem Radverkehr mit 13 Prozent.

Die vor wenigen Tagen veröffentlichten Berliner Daten der Haushaltsbefragung „Mobilität in Städten“ der TU Dresden sollten nach Ansicht des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland Fuss e.V. die Stadtpolitik und -verwaltungen zu einer veränderten Strukturpolitik anregen. „Fußgänger sind gerade in den Innenstädten keine Minderheit sondern bilden dort oft die relative Mehrheit. Das ist seit Jahren bekannt, doch es folgen bisher daraus kaum Konsequenzen“, so Stefan Lieb, Sprecher des Verbandes.

Tatsächlich sind die Werte für den Fußverkehr jedoch noch höher: So werden zum einen bei der der Haushaltsbefragung „Mobilität in Städten“ nur die Wege der Bewohner/innen der Städte erfasst. Das verzerrt das tatsächliche Geschehen insbesondere auf den Straßen der Innenstädte. Denn die meisten Touristen legen Ihre Wege in einem Mix von zu Fuß und öffentlichem Nahverkehr zurück.

In vielen Mobilitätserhebungen werden zum anderen lediglich die Hauptverkehrsmittel eines Weges erfasst. Etappen zu Fuß sind aber bei annähernd jeder Bewegung außerhalb der eigenen vier Wände enthalten, „Wege“ in Städten enthalten im Schnitt über 2,3 Etappen. Die Schweiz hat Konsequenzen daraus gezogen und das Etappenmodell für die Vergleiche eingeführt.

Da z.B. etwa 95 Prozent der Fahrgäste die öffentlichen Verkehrsmittel zu Fuß erreichen, werden in Berlin wohl über die Hälfte aller Wege-Etappen zu Fuß zurück gelegt. Vergleichbare Zahlen ergaben sich bei Untersuchungen von Socialdata: Danach ist der Fuß-Anteil in der Stadt Nürnberg nicht 23, sondern 60 und der in Wien nicht 27, sondern 59 Prozent.

Zusammengefasst lässt sich daraus schließen, dass der Fußverkehrswegeanteil in den Städten Deutschlands in der Regel höher liegt als der des MIV einschließlich der Mitfahrer und bei über 50 Prozent liegen dürfte. „Völlig anders“, so der Fuss e.V.-Sprecher, „sieht die Verteilung der Haushaltsmittel aus. Für den Fußverkehr gibt es oft keinen eigenen Haushaltstitel und wenn doch, handelt es sich um Kleinstbeträge. Den Fußverkehr will man offensichtlich nicht fördern, weil er ja sowieso da ist.“

 

Website der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt mit den Berliner Daten und Erläuterungen

Beitrag in unserer Zeitschrift mobilogisch! u.a. zum Problem der Untererfassung des Fußverkehrs aufgrund der nicht erhobenen Wege-Etappen

Rubrik „Fußverkehr in Zahlen“ auf Website des FUSS e.V.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 22. Juni 2015