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Nach dem neuen Referentenentwurf aus dem Bundes-Verkehrsministerium zu Elektrokleinstfahrzeugen sollen auch elektrisch angetriebene Roller auf Gehwegen fahren – streckenweise bis 20 Stundenkilometer. Schon Zwölfjährige sollen ohne jede Schulung und Prüfung mit mehrfachem Fußgängertempo rasen dürfen.

Im Einzelnen sieht der Entwurf vom 19.Februar 2019 vor, dass E-Fahrzeuge mit „bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit“ bis 12 Stundenkilometer Gehwege benutzen müssen und solche bis 20 Stundenkilometer Gehwege benutzen dürfen, die mit einem neuen Verkehrsschild dafür freigegeben sind. Eine Versicherung ist Pflicht; die zugehörige Plakette muss aber aus mehr als acht Metern Entfernung schon nicht mehr lesbar sein. Zwölfjährige sollen auf dem Gehweg bis 12 Stundenkilometer fahren dürfen, Vierzehnjährige bis 20 Stundenkilometer.

Für FUSS e.V. sagt Sprecher Roland Stimpel zu dem Entwurf: „Andreas Scheuer versucht auf Faktenverbiegen und Knochenbrechen Elektrofahrzeuge durchzusetzen. Der Entwurf ist eilig dahingepfuscht; er enthält Widersprüche, Faktenverdrehungen und Lücken. Er zeigt, dass der Minister und sein Haus vom Gehen keine Ahnung haben – und am wichtigsten Stadtverkehrsmittel nicht das geringste Interesse. Eine Horde Pubertierender auf E-Rollern ist Andreas Scheuer wichtiger. Egal sind ihm Zigmillionen Alte, Junge, Menschen mit Behinderungen und alle Menschen, die einfach nur sicher und stressfrei auf den Gehwegen unterwegs sein wollen. Scheuer denkt über Gehwege so zynisch wie über Autobahnen: Faktisch gelten soll nur das Ellbogen-Recht des Stärkeren und Schnelleren.“

FUSS e.V. kritisiert besonders folgende Punkte des Referentenentwurfs:

  • Erstmals sollen überhaupt Motorfahrzeuge auf Gehwegen zugelassen werden. Das ist ein Dammbruch, der den Schutzraum der Mehrheit und gerade der Schwächsten zu vernichten droht.
  • In der amtlichen Begründung des Entwurfs heißt es, es „entsprechen Elektrokleinstfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von weniger als 12 Stundenkilometer dem Geschwindigkeitsniveau von Fußgängern“ (S.36). Das ist ministerialer Unsinn. Scheuer und seine Beamten wissen noch nicht einmal, wie schnell Fußgänger unterwegs sind. 12 Stundenkilometer sind gehobenes Jogger-Tempo. Fußgänger sind mit 3 bis 5 Stundenkilometern unterwegs.
  • Der Entwurf sieht nicht vor, dass E-Roller mit Höchsttempo 12 von denen mit Höchsttempo 20 äußerlich unterscheidbar sein sollen. Das heißt: Auch mit dem Tempo-20-Roller wird überall auf Gehwegen gefahren werden, selbst wo diese nicht dafür zugelassen sind.
  • Der Entwurf schreibt im vier Zeilen kurzen Absatz „Erfüllungsaufwand der Länder (und Kommunen)“ (S.3) nichts dazu, dass die Kontrolle von Rollertyp, Fahrer-Alter, sicherem und rücksichtsvollem Fahrverhalten einen immensen Zusatzaufwand für die Städte und Gemeinden bedeuten würde. Diese haben oft schon vor dem Gehweg-Radfahren kapituliert. Jetzt nimmt Andreas Scheuer Anarchie und faktische Gesetzlosigkeit auf dem Gehweg in Kauf.
  • Zwar sind Bußgelder vorgesehen, doch diese sind erstens faktisch nicht vollziehbar (siehe voriger Punkt) und zweitens lächerlich niedrig. Selbst wer einen anderen Menschen gefährdet, soll höchstens 25 Euro zahlen müssen. 30 Euro kostet dagegen Sachbeschädigung durch E-Roller. Der Schutz von Kneipentischen auf dem Gehweg ist Andreas Scheuer wichtiger als der Schutz der Hüftknochen alter Menschen.
  • Der Entwurf enthält noch nichts zu lenkstangen-losen Fahrzeugen wie Hoverboards, Monowheels und Hovershoes. Hier droht Andreas Scheuer nach wie vor mit einer zusätzlichen Ausnahmeverordnung. Mit mindestens vier Fahrzegtypen drohen dann der Gehweg und seine Benutzer vollends unter die E-Räder zu kommen.
  • Gegen den Entwurf gibt es schwere verfassungsrechtliche Bedenken. Der Berliner Jurist Prof. Stefan Klinski weist darauf hin, dass eine Verordnung wie die von Scheuer geplante laut Straßenverkehrsgesetz (StVG) „die sonstigen zur Erhaltung der Sicherheit und Ordnung auf den öffentlichen Straßen (...) erforderlichen Maßnahmen" regeln müsse. Dem Berliner „Tagesspiegel“ https://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr-gutachter-haelt-e-roller-auf-gehwegen-fuer-verfassungswidrig/24035294.html sagte Klinski heute (25.2.): Eine Freigabe von Gehwegen für … Elektrofahrzeuge würde jedoch nicht der Erhaltung der Sicherheit dienen, sondern neue, zusätzliche Gefahren auf Gehwegen schaffen", so Klinski. "Sie würde auch der Ordnung des Verkehrs nicht dienlich sein, weil sie weder für den Ablauf des Verkehrs auf der Straße noch für den reibungslosen Verkehr auf Gehwegen einen Nutzen bringt, sondern dessen Ordnung im Gegenteil erschwert." Für die vorgesehene Verordnung müsste laut Klinski erst eigens das Straßenverkehrsgesetz geändert werden. Der Experte für Verfassungs- und Verkehrsrecht weist auf weitere Abwägungsfehler oder unterlassene Abwägungen im Entwurf hin.

FUSS e.V. resümiert: „Für den Entwurf gibt es nur einen richtigen Ort: den Papierkorb. Bevor Scheuer einen neuen Entwurf versucht, sollte er sich dringend mit dem Wissen von Experten und Betroffenen ausstatten. Das haben ihm am 7.2. vier Verbände schriftlich angeboten, die vier Millionen Menschen vertreten: der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband, FUSS e.V., der Landesseniorenbeirat Berlin und der Sozialverband VdK Deutschland. Dem Minister war das bisher nicht einmal eine Antwort wert. Wie sein Vorgehen zeigt, will er von Sachverstand nicht gehemmt werden.“

Das müssen jetzt seine Ministerkolleginnen und -kollegen sowie die Mitglieder des Bundestags tun, die sich für Soziales, Senioren, Familien, Kinderschutz und Menschen mit Behinderungen einsetzen. Wir fordern insbesondere Franziska Giffey und Hubertus Heil auf, ihrem fachlich durchdrehenden Kollegen in die Lenkstange zu greifen.“

Hier geht es zum Download des VO-Entwurfes

Hier geht es zum Tagesspiegel-Artikel mit den Aussagen von Prof. Stefan Klinski

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 25. Februar 2019

Plan des Verkehrsministers: E-Fahrzeuge dürfen den Schutzraum der Fußgänger vernichten

 

(25.02.2019) Nach dem neuen Referentenentwurf aus dem Bundes-Verkehrsministerium zu Elektrokleinstfahrzeugen sollen auch elektrisch angetriebene Roller auf Gehwegen fahren – streckenweise bis 20 Stundenkilometer. Schon Zwölfjährige sollen ohne jede Schulung und Prüfung mit mehrfachem Fußgängertempo rasen dürfen.

Im Einzelnen sieht der Entwurf vom 19. Februar 2019 vor, dass E-Fahrzeuge mit „bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit“ bis 12 Stundenkilometer Gehwege benutzen müssen und solche bis 20 Stundenkilometer Gehwege benutzen dürfen, die mit einem neuen Verkehrsschild dafür freigegeben sind. Eine Versicherung ist Pflicht; die zugehörige Plakette muss aber aus mehr als acht Metern Entfernung schon nicht mehr lesbar sein. Zwölfjährige sollen auf dem Gehweg bis 12 Stundenkilometer fahren dürfen, Vierzehnjährige bis 20 Stundenkilometer. 

Für FUSS e.V. sagt Sprecher Roland Stimpel zu dem Entwurf: „Andreas Scheuer versucht auf Faktenverbiegen und Knochenbrechen Elektrofahrzeuge durchzusetzen. Der Entwurf ist eilig dahingepfuscht; er enthält Widersprüche, Faktenverdrehungen und Lücken. Er zeigt, dass der Minister und sein Haus vom Gehen keine Ahnung haben – und am wichtigsten Stadtverkehrsmittel nicht das geringste Interesse. Eine Horde Pubertierender auf E-Rollern ist Andreas Scheuer wichtiger. Egal sind ihm Zigmillionen Alte, Junge, Menschen mit Behinderungen und alle Menschen, die einfach nur sicher und stressfrei auf den Gehwegen unterwegs sein wollen. Scheuer denkt über Gehwege so zynisch wie über Autobahnen: Faktisch gelten soll nur das Ellbogen-Recht des Stärkeren und Schnelleren.“ 

FUSS e.V. kritisiert besonders folgende Punkte des Referentenentwurfs:

  • Erstmals sollen überhaupt Motorfahrzeuge auf Gehwegen zugelassen werden. Das ist ein Dammbruch, der den Schutzraum der Mehrheit und gerade der Schwächsten zu vernichten droht.
  • In der amtlichen Begründung des Entwurfs heißt es, es „entsprechen Elektrokleinstfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von weniger als 12 Stundenkilometer dem Geschwindigkeitsniveau von Fußgängern“ (S.36). Das ist ministerialer Unsinn. Scheuer und seine Beamten wissen noch nicht einmal, wie schnell Fußgänger unterwegs sind. 12 Stundenkilometer sind gehobenes Jogger-Tempo. Fußgänger sind mit 3 bis 5 Stundenkilometern unterwegs.
  • Der Entwurf sieht nicht vor, dass E-Roller mit Höchsttempo 12 von denen mit Höchsttempo 20 äußerlich unterscheidbar sein sollen. Das heißt: Auch mit dem Tempo-20-Roller wird überall auf Gehwegen gefahren werden, selbst wo diese nicht dafür zugelassen sind. 
  • Der Entwurf schreibt im vier Zeilen kurzen Absatz „Erfüllungsaufwand der Länder (und Kommunen)“ (S.3) nichts dazu, dass die Kontrolle von Rollertyp, Fahrer-Alter, sicherem und rücksichtsvollem Fahrverhalten einen immensen Zusatzaufwand für die Städte und Gemeinden bedeuten würde. Diese haben oft schon vor dem Gehweg-Radfahren kapituliert. Jetzt nimmt Andreas Scheuer Anarchie und faktische Gesetzlosigkeit auf dem Gehweg in Kauf. 
  • Zwar sind Bußgelder vorgesehen, doch diese sind erstens faktisch nicht vollziehbar (siehe voriger Punkt) und zweitens lächerlich niedrig. Selbst wer einen anderen Menschen gefährdet, soll höchstens 25 Euro zahlen müssen. 30 Euro kostet dagegen Sachbeschädigung durch E-Roller. Der Schutz von Kneipentischen auf dem Gehweg ist Andreas Scheuer wichtiger als der Schutz der Hüftknochen alter Menschen. 
  • Der Entwurf enthält noch nichts zu lenkstangen-losen Fahrzeugen wie Hoverboards, Monowheels und Hovershoes. Hier droht Andreas Scheuer nach wie vor mit einer zusätzlichen Ausnahmeverordnung. Mit mindestens vier Fahrzeugtypen drohen dann der Gehweg und seine Benutzer vollends unter die E-Räder zu kommen. - Gegen den Entwurf gibt es schwere verfassungsrechtliche Bedenken. Der Berliner Jurist Prof. Stefan Klinski weist darauf hin, dass eine Verordnung wie die von Scheuer geplante laut Straßenverkehrsgesetz (StVG) „die sonstigen zur Erhaltung der Sicherheit und Ordnung auf den öffentlichen Straßen (...) erforderlichen Maßnahmen" regeln müsse. Dem Berliner Tagesspiegel sagte Klinski heute (25.2.): Eine Freigabe von Gehwegen für … Elektrofahrzeuge würde jedoch nicht der Erhaltung der Sicherheit dienen, sondern neue, zusätzliche Gefahren auf Gehwegen schaffen", so Klinski. "Sie würde auch der Ordnung des Verkehrs nicht dienlich sein, weil sie weder für den Ablauf des Verkehrs auf der Straße noch für den reibungslosen Verkehr auf Gehwegen einen Nutzen bringt, sondern dessen Ordnung im Gegenteil erschwert." Für die vorgesehene Verordnung müsste laut Klinski erst eigens das Straßenverkehrsgesetz geändert werden. Der Experte für Verfassungs- und Verkehrsrecht weist auf weitere Abwägungsfehler oder unterlassene Abwägungen im Entwurf hin. 

FUSS e.V. resümiert: „Für den Entwurf gibt es nur einen richtigen Ort: den Papierkorb. Bevor Scheuer einen neuen Entwurf versucht, sollte er sich dringend mit dem Wissen von Experten und Betroffenen ausstatten. Das haben ihm am 7.2. vier Verbände schriftlich angeboten, die vier Millionen Menschen vertreten: der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband, FUSS e.V., der Landesseniorenbeirat Berlin und der Sozialverband VdK Deutschland. Dem Minister war das bisher nicht einmal eine Antwort wert. Wie sein Vorgehen zeigt, will er von Sachverstand nicht gehemmt werden.“ Das müssen jetzt seine Ministerkolleginnen und -kollegen sowie die Mitglieder des Bundestags tun, die sich für Soziales, Senioren, Familien, Kinderschutz und Menschen mit Behinderungen einsetzen. Wir fordern insbesondere Franziska Giffey und Hubertus Heil auf, ihrem fachlich durchdrehenden Kollegen in die Lenkstange zu greifen.“

Hier der Referentenentwurf zum Download (PDF, 21 MB): https://www.fuss-ev.de/download/Entwurf_E_Kleinstfahrzeuge-19.02.2019.pdf

Keine Elektrofahrzeuge auf Gehwegen – gerade die Schwächsten brauchen ihn als Schutzraum! Diesen Appell an Bundes-Verkehrsminister Scheuer richten heute vier Sozial-, Senioren- und Verkehrsverbände, die rund vier Millionen Menschen vertreten: der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband, FUSS e.V., der Landesseniorenbeirat Berlin und der Sozialverband VdK Deutschland. Der Verkehrsminister will in einer Ausnahmeverordnung Fahrzeuge ohne Lenkstange bis 12 Stundenkilometer auf Gehwegen zulassen – zunächst in einem zweijährigen Versuch. „Wir wehren uns entschieden dagegen, dass ausgerechnet die Schwächsten hier ungefragt als Versuchsobjekte missbraucht werden sollen“, schreiben die vier Verbände.

Sie verweisen darauf, dass Elektrofahrzeuge ohne Lenkstange selbst von ihren Anbietern als „Spielzeuge“ bezeichnet werden, nicht als Verkehrsmittel, und mahnen: „Der Gehweg ist kein Ort für schnelle, riskante Spiele. Wer zum Beispiel Fußball spielen will, muss dafür geeignete Plätze aufsuchen. Auch elektrische Fahrspielzeuge wären auf dem Gehweg fehl am Platz.“ Die Vertreter von Sehbehinderten, Senioren, Hilfsbedürftigen und Fußgängern warnen: „Zum ersten Mal würden motorisierte Fahrzeuge den Gehweg nutzen dürfen.“ Schon die diskutierten 12 km/h seien „dreifache Fußgängergeschwindigkeit. Technisch können sie bis zu 35 km/h schnell sein; die Manipulation von Temposperren ist möglich.“

Der Protest richtet sich nicht gegen Elektro-Kleinstfahrzeuge auf Fahrbahnen und Radwegen, die nach einer anderen Verordnung zugelassen werden sollen. Diese sehen die vier Verbände als „umwelt- und flächenschonende Alternative zum konventionellen Kraftfahrzeug“. Allerdings fordern sie: „Elektrokleinstfahrzeuge dürfen nicht auf Gehwegen geparkt und abgestellt werden. Dies wäre eine zusätzliche Belastung für alle Gehenden; für Seniorinnen und Senioren sowie für blinde und sehbehinderte Menschenbirgt es besonders starke Stolper- und Verletzungsgefahren.“

Hier geht es zum Offenen Brief an Minister Scheuer

Ein Cent pro Jahr und Fußgänger – das ist der Betrag, den Bundesverkehrsminister Scheuer Deutschlands wichtigstes Stadtverkehrsmittel wert ist. In der Antwort auf eine 28 Punkte umfassende Anfrage des grünen Abgeordneten Stefan Gelbhaar ist dies die einzige Geldsumme, die die Regierung für den Fußverkehr nennt. Investiert werden soll sie in „eine bundesweite Kampagne zum Schutz von älteren Menschen…, in deren Rahmen motorisierte Fahrerinnen und Fahrer für die Schutzbedürftigkeit insbesondere älterer Fußgänger/innen sensibilisiert werden… Dafür werden Haushaltsmittel in Höhe von 800 000 Euro eingesetzt.“ Das Bundesverkehrsministerium hat 2019 einen Etat von 29,3 Milliarden Euro. Der genannte Betrag ist 0,0027 Prozent davon.

Für FUSS e.v. resümiert Sprecher Roland Stimpel: „Die Antwort auf die Anfrage zeigt Minister Scheuers komplette Ignoranz gegenüber der größten Gruppe der Verkehrsteilnehmer. Seine Politik ist fußlahm, dabei müsste er es besser wissen.“ Erst im November 2018 hatte das Bundesverkehrsministerium die Ergebnisse der eigenen Groß-Erhebung „Mobilität in Deutschland“ bekannt gegeben. Danach werden mehr als 20 Prozent aller Wege in Deutschland komplett zu Fuß zurückgelegt, in Berlin und Hamburg sogar 27 Prozent – mehr als mit allen anderen Verkehrsmitteln.

Stimpel: „Das umweltschonendste, flächengünstigste und in Städten meistgenutzte Verkehrsmittel braucht dringend bessere Wege und mehr Sicherheit. Den Rahmen dafür kann und muss der Bund setzen. Aber die Antwort zeigt, dass Verkehrsminister Scheuer kein Geld, keine Pläne und keine Leute dafür einsetzen will.“

Denn auch die übrigen Antworten sind weitgehend inhaltsleer. Auf eine Frage nach geplanten Maßnahmen antwortet die Regierung: „Die Bundesregierung arbeitet seit Langem erfolgreich daran, die Sicherheit und Attraktivität des Fußgängerverkehrs weiter zu erhöhen“ – kann aber nichts nennen, was sie dazu getan hat und noch tun will.

Auf die Frage nach den Stellen für Fußverkehr im Ministerium heißt die komplette Antwort: „Im BMVI wird das Thema ,Fußverkehrspolitik‘ in den jeweils fachlich zuständigen Referaten der Abteilungen ,Straßenbau‘ und ,Straßenverkehr‘ sowie der Stabsstelle Radverkehr, Straßenverkehrssicherheit bearbeitet.“ Und auf die Frage nach Forschungsprojekten für den Fußverkehr bekundet Scheuer nur: „Die Bundesregierung beabsichtigt, zukünftig Forschungsprojekte zu betreiben. Einzelheiten stehen noch nicht fest.“

Das einzige derzeit im Verkehrsministerium bearbeitete Projekt mit Gehweg-Bezug kam in der Bundestags-Anfrage nicht vor: die Elektro-Kleinstfahrzeugverordnung. Hier will aber Scheuer nicht Fußgänger schützen, sondern droht sie durch die Zulassung von bis zu 12 Stundenkilometer schnellen Motorfahrzeugen auf Gehwegen einer neuen Gefahr auszusetzen. FUSS e.V. fordert: „Der Verkehrsminister muss dringend gehen – auf dem Fußweg, um sich selbst für die wichtigste Verkehrsart zu qualifizieren.“

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 08. Januar 2019

FUSS e.V. demonstriert vor dem Verkehrsministerium

13.12.2018 Auf der Fahrbahn können kleine Elektrofahrzeuge den Verkehr bereichern und entlasten. Für den Gehweg sind sie völlig untauglich – zu schnell für Fußgänger, unsicher, raumgreifend. Trotzdem will ein Entwurf aus dem Haus von Verkehrsminister Scheuer Elektrofahrzeuge auf Gehwegen bis zu 12 Stundenkilometer zulassen – etwa dreimal so schnell wie Fußgänger. Im Visier sind eine zweijährige Testphase für sogenannten Hoverboards auf allen Gehwegen, Sonderrechte für Gruppenfahrten sowie für Städte das Recht, Gehwege für weitere Elektro-Fahrzeuge freizugeben.

Der Entwurf des Verkehrsministeriums ignoriert bisher alle Bedenken. Die ihm unterstehende Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) mahnt, solche Fahrzeuge seien „aufgrund des Konfliktpotenzials mit dem Fußgängerverkehr möglicherweise nicht für den Betrieb auf dem Gehweg geeignet“. Der Berliner Verkehrssenat erinnert: „Insbesondere für ältere Menschen, Kinder oder Blinde stellen Hoverboards auf dem Gehweg eine Unfallgefahr dar.“ Auch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) betont: „Es handelt sich eindeutig um Kraftfahrzeuge.“

FUSS e.V. warnt: „Wer zu Fuß geht, leidet schon heute in Städten unter der größten Unfallgefahr. Senioren, Kinder und Sehbehinderte sind besonders betroffen. Ausgerechnet ihnen will Andreas Scheuer jetzt den letzten geschützten Raum nehmen. Wir befürchten von der Legalisierung der E-Fahrzeuge einen Dammbruch: Zum ersten Mal sollen Motorfahrzeuge auf den Gehwegen fahren dürfen. Wenn das einmal erlaubt ist, fährt hier künftig jeder. Polizei und Ordnungsämter sind zur Kontrolle nicht willens und in der Lage. Sie haben ja schon vor dem wilden Radfahren auf Gehwegen kapituliert.

Lobbyisten der E-Fahrzeuge sprechen von einem technischen Fortschritt. In Wirklichkeit droht hier ein Rückfall in die Zeit vor 1825, als in Berlin die ersten Gehwege zum Schutz vor Kutschen und Reitern angelegt wurden. Auch heute ist das Gehen in Berlin und anderen Großstädten die führende Verkehrsart ist. Es werden mehr Wege zu Fuß zurückgelegt als hinterm Steuer, mit Bus und Bahn oder mit dem Fahrrad. Gerade der stadtfreundlichste Verkehr darf nicht von Spielzeugen für Hipster und gehfaule Touristen gefährdet werden."

Auch der E-Fahrzeug-Verband „Electric Empire“ hat das Problem jetzt offenbar erkannt; ein Sprecher sagte: „Fußgänger müssen keine Sorge haben, denn wir wollen überhaupt nicht auf den Gehweg.“ Wenn es dabei bleibt, begrüßen wir die E-Fahrzeuge als Bereicherung des Fahrbahnverkehrs. Minister Andreas Scheuer fordern wir zu einer klaren Regelung auf, die E-Fahrzeugen keinen Raum auf dem Gehweg gibt. Nur damit behält die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer einen vor Motorfahrzeugen sicheren Raum.

Pressekontakt:
Stefan Lieb 0176 – 8023 5524
Roland Stimpel 0163 – 1833 508

 

Doppelt so viele Fußgänger-Unfälle bei Grün wie bei Fußgänger-Rot

FUSS e.V. begrüßt den Vorstoß der Berliner SPD, grüne Ampelphasen für Fußgänger und Radfahrer von denen für abbiegende Autos zu trennen. „Ampeln sollen der Sicherheit dienen, aber ausgerechnet sie gehören zu den gefährlichsten Orten im Berliner Straßenverkehr“, sagt Sprecher Roland Stimpel. Der Fachverband für Fußverkehr verweist auf die Berliner Unfallstatistik für 2017, die als Ursache für 488 Unfälle „falsches Verhalten von Fahrzeugführern an Fußgängerfurten“ nennt. Fußgängerfurten sind die Flächen, auf denen man zwischen gestrichelten Linien an der Ampel über die Fahrbahn laufen soll. Das „falsche Verhalten“ bedeutet in seltenen Fällen Fahren bei Rot. Meist bedeutet es: Hier ist ein Fahrer bei Grün abgebogen und hat den Vorrang der Fußgänger missachtet, die ebenfalls Grün hatten.

Zum Vergleich: Die Statistik 2017 verzeichnet nur für 189 Unfälle „falsches Verhalten von Fußgängern“ an Ampeln – im Klartext: Gehen bei Rot. Fußgänger in Berlin werden also mehr als doppelt so oft bei Grün angefahren wie bei illegalem Rotgehen. Berlins Ampelschaltungen sind sicherheitstechnisch geradezu pervers. Sie sollen allein den Auto-Durchfluss maximieren – auf Kosten der Gesundheit und Unversehrtheit vieler Menschen in der Stadt.

„Auch für Autofahrer ist das Ampelsystem eine Zumutung“, sagt Stimpel. Viele sind an komplexen, unübersichtlichen Kreuzungen schlicht überfordert. „Die  Unfallverursacher sitzen nicht nur hinterm Steuer. Sie sitzen auch an den Regelungs-Computern der Verkehrsleitzentrale.“

Der Fachverband fordert für Ampeln:

  • Wo immer Gefahren für Fußgänger durch Abbieger drohen oder bereits nachgewiesen sind, getrennte Schaltungen.
  • Ausreichend lange Grünphasen. Es gibt heute viele Ampeln, die nur mit mehr als zehn Stundenkilometern Lauftempo bei Grün überquert werden könnten. Das ist doppelt so schnell wie gesunde erwachsene Fußgänger und dreimal so schnell wie viele Senioren laufen.
  • Grüne Welle ohne Warten auf Mittelinseln, das bei Gedrängel lebensgefährlich sein kann.
  • Warten auf Grün deutlich unter einer Minute. Bei den heutigen Schaltungen nehmen Fußgänger teils an, ihre Ampel sei kaputt und auf Dauer-Rot. Das provoziert gefährliche Situationen.
  • Abschaffung der Grünpfeile aus Blech für rechtsabbiegende Autos. Die meisten hängen entgegen den Verwaltungsvorschriften. Und die meisten Autofahrer verhalten sich illegal – sie halten nicht vor der Furt an, sondern fahren bei Rot durch, auch wenn Fußgänger grün haben.
  • Möglichst oft „Rundum-Grün“ nach dem Vorbild der Kreuzung Kochstraße/Friedrichstraße. So funktionieren die größten Kreuzungen der Welt, zum Beispiel der Oxford Circus in London. 80.000 Fußgänger täglich überqueren ihn – bei Grün in alle Richtungen zugleich und unfallfrei.

Kontakt: FUSS e.V., Roland Stimpel, Tel. 0163 – 1833 508, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

 

 

Am 10. Juli 2018 startete der Bundesverkehrsminister im Rahmen einer Tagung die „Aktion Abbiegeassistent“. Fuss e.V. war im Ministerium dabei. Einige Aspekte blieben angesichts der diversen technischen Möglichkeiten der Assistenzsysteme nach Ansicht der Fußgängerlobby unberücksichtigt. Die folgenden Maßnahmen würden die Verkehrssicherheit nicht nur bei Rechtsabbiegemanövern von Lkw steigern:

  • Fußgänger und Fußgängerinnen sollten früher als die Kraftfahrzeuge Grün an Ampeln erhalten. Dann sind sie bereits auf der Fahrbahn und gut sichtbar, wenn die Lkw beginnen abzubiegen.
  • Vielen Menschen sind die Vorfahrts- bzw. Vortrittsregeln gerade beim Abbiegen unklar oder unbekannt. Kampagnen und eine Änderung der StVO könnten das beheben.
  • An Kreuzungen sollten sogenannte „freie Rechtsabbieger“ und fahrdynamisch optimierte Kurven im Sinne der Verkehrssicherheit - also entschleunigend - umgebaut werden.

„Diese Maßnahmen wirken auch bei Reizüberflutung der Lkw-Fahrer durch optische und akustische Signale des Abbiegeassistenten. Und gerade auch bei den Fahrern, die vielleicht meinen, dass sie dank der Sicherheitstechnik riskanter fahren könnten“ kommentiert Stefan Lieb, Geschäftsführer des Fachverbandes Fuss e.V.

 

Wenn Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten mehr über unsere verkehrspolitischen Forderungen, Ziele und Positionen erfahren möchten, dann finden Sie hier Lösungen zu 50 Problemen des Fußverkehrs.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 11. Juli 2018

 

Deutschlands größte Mobilitätsstudie zeigt die führende Bedeutung des Fußverkehrs

In Deutschlands größten Städten legen die Menschen mehr Wege zu Fuß zurück als hinterm Steuer. Und sie tun das gern: Die in Umfragen bekundete Freude am Laufen ist größer als unter den Benutzern von Autos, Fahrräder, Bussen und Bahnen die Freude am Fahren. Das sind Ergebnisse von Deutschlands soeben publizierter größter aktueller Mobilitätsstudie, beauftragt vom Bundes-Verkehrsministerium. Der FUSS e.V., Fachverband Fußverkehr Deutschland, fordert Konsequenzen aus der Studie: „Breitere Gehwege ohne Fahrräder und parkende Autos, sichere Übergänge, fußgängerfreundliche Ampeln ohne ewiges Rot“.

Für die Studie „Mobilität in Deutschland“ hat das Infas-Institut fast eine Million Wege von mehr als 300.000 Menschen analysiert. Die Wege sind nach Bundesländern aufgeschlüsselt. In Berlin und Hamburg, den größten Städten und zugleich Stadtstaaten, bewältigen Fußgänger jeweils 27 Prozent aller Wege. Die Fahrer von Autos und Motorrädern liegen dahinter mit 23 Prozent in Berlin und 26 Prozent in Hamburg. Bundesweit die meisten Fußgänger gibt es unter ganz Jungen und Alten, Menschen mit geringem Einkommen und ohne eigenes Auto. Unter den Befragten mit laut Infas „sehr niedrigem Einkommen“ gehen pro Stichtag 28 Prozent zu Fuß, unter denen mit hohem Einkommen nur 19 Prozent. Unter Kindern und Senioren liefen bis zu 35 Prozent am Stichtag außer Haus; unter den 40- bis 49-jährigen nicht einmal halb so viele – nur 17 Prozent. Dazu  der FUSS e.V.: „Das Gehen hat auch eine große soziale Bedeutung. Es sichert die Basismobilität der Menschen mit weniger Geld und gehört nicht zuletzt gefördert, um soziale Nachteile auszugleichen.“

Einen Vorsprung haben Gehende bei der Zuneigung zu ihrem körpereigenen Verkehrsmittel. Infas fragte in acht Altersgruppen: „Gehen Sie gern zu Fuß?“ und „Fahren Sie gern Auto, Rad, Bus oder Bahn?“ In sechs der acht Gruppen war der Anteil der gern Gehenden am höchsten. Das Auto kam auf Rang 2; Fahrrad und öffentlicher Verkehr liegen mit weitem Abstand dahinter.

Aus den Daten folgert der FUSS e.V.: „Die Studie zeigt, dass das Gehen von Verkehrsplanern und in der öffentlichen Diskussion immer wieder unterschätzt wird. Dabei ist es gerade in großen Städten die beliebteste und beste Verkehrsform. Es schont die Umwelt, spart Platz, gefährdet keinen anderen, ist gesund und kostet am wenigsten.“

Doch der Fachverband mahnt: „Fürs Gehen muss mehr getan werden. Autos und Fahrräder müssen runter vom Bürgersteig. Wir brauchen viel mehr Zebrasteifen und andere Möglichkeiten, an denen man Fahrbahnen sicher und leicht überqueren kann. 483 getötete und 30.564 verletzte Fußgänger im vorigen Jahr sind ein gesellschaftlicher Skandal.“ FUSS e.V. fordert Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Ortschaften. „Das kommt letztlich allen zugute. Auch wer oft Auto, Bus, Bahn oder Fahrrad fährt oder wer im Rollstuhl sitzt, ist zeitweise auf dem Gehweg unterwegs und profitiert von sicheren Übergängen.“

***

Die soeben erschienene Kurzfassung der Studie finden Sie unter
www.mobilitaet-in-deutschland.de/publikationen2017.html

Im  bundesweiten Fachverband FUSS e.V. arbeiten Engagierte und Experten aus Stadt- und Verkehrsplanung, Kommunen, Hochschulen und Bürgergruppen www.fuss-ev.de

Kontakt und Rückfragen: Dipl.-Ing. Roland Stimpel, Pressesprecher, Tel. 0163 – 1833 508  

Fußgänger-Lobbyisten verbreiten millionenfach Aufkleber, um sie Falschparkern auf die Windschutzscheibe zu kleben. Brachial-Pädagogik? Selbstjustiz? Sachbeschädigung? Stefan Lieb vom Verein Fuss e.V. sieht es als Notwehr.

? Ein Auto steht auf dem Gehweg, und Sie kleben einen Aufkleber auf die Scheibe, der mahnt: Parke nicht auf unseren Wegen. Sind Sie ein einsamer Rächer der Fußgänger?

! Weder Rächer noch einsam. Wir haben gerade den zweimillionsten Aufkleber verkauft. Er wird zunehmend gefragt, weil es immer mehr Menschen stört, wenn sie sich auf einem von Blech verengten Gehweg drängeln oder wenn sie gar auf die Fahrbahn ausweichen und sich gefährden müssen, weil sie mit ihrem Kinderwagen oder ihrem Rollstuhl nicht weiterkommt. Radfahrer verwenden den Aufkleber übrigens auch.

? Maßen Sie sich den Job von Polizei und Ordnungsamt an?

! Wenn die ihren Job machen könnten und wollten, wäre alles gut. Aber teils sind sie überfordert, teils gehen sie nur lasch gegen das Parken auf Bürgersteigen vor. Viele Städte dulden es zum Beispiel, wenn noch 1,20 Meter zwischen Auto und Hauskante bleiben.

? Passt man da nicht durch?

! Mit Kind an der Hand oder mit Gepäck kaum noch. Und schon gar nicht zu zweit aneinander vorbei. Es ist dreist bis gefährlich.

? Und mit dem Aufkleber lässt man Dampf ab?

! Man appelliert an Regeln und Rücksicht. Das ist übrigens nicht nur Einzelpersonen ein Anliegen. Auch Stadtverwaltungen und Firmen haben schon Aufkleber bestellt, sogar Leute aus einem Autokonzern. Am meisten Bestellungen kommen übrigens aus Hamburg, das ja für seine guten Umgangsformen bekannt ist.

Manchen Autofahrern erscheint das wohl nicht als Appell, sondern als ziemlich übergriffig. Sagen die nicht „jetzt erst recht“?

! Es mag Trotzköpfe geben. Die Erfahrung zeigt aber, dass es nach regelmäßigem Kleben in einer Straße deutlich weniger Gehweg-Parker gibt.

? Und wenn Sie stattdessen mit Anzeigen Druck bei der Stadt machen? Einige haben ja sogar Apps, auf denen man solche Verstöße melden kann.

! Manche Apps haben ein Signal für „bearbeitet/abgeschlossen“. Da wird offenkundig, dass viele Anzeigen gar nicht bearbeitet werden. Bei anderen scheitert es an angeblich fehlenden Beweisen. Wer geht schon mit einem Zollstock durch die Stadt und misst den Abstand zwischen Stoßstange und Hauswand?

? Also mahnen Sie mit dem Aufkleber pädagogisch „du, du“. Und das unter Erwachsenen.

! Nicht bei Leuten, die sich erwachsen verhalten. Wenn einer das nicht tut, darf man ihn doch bitten, dass zu ändern. Ob er nun in der Bahn zu laut ist oder mit dem Auto falsch parkt.

? Was Sie als „Bitte“ bezeichnen, sehen andere als Akt der Selbstjustiz.

! Der Aufkleber ist keine Strafe, sondern ein Hinweis: Du stehst anderen im Weg und störst.

? Ein ganz schön massiver Hinweis, der auf der Windschutzscheibe festklebt.

! Unsere Aufkleber funktionieren nur mit Anfeuchten, sie sind nicht selbstklebend. Man bekommt sie leicht und rückstandsfrei ab – und wenn ein Fetzen bleibt, ist er spätestens nach dem nächsten Regen weg.

? Trotzdem: Ist das nicht Sachbeschädigung?

! Das sehen der Bundesgerichtshof und das Berliner Kammergericht nicht so. Der Sachbeschädigungs-Paragraf wurde übrigens zuletzt 2005 geändert. Danach liegt Sachbeschädigung vor, wenn eine Sache „nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert“ wird. Beides schafft unser Aufkleber nicht. A propos Sachbeschädigung: Gehwege sind nicht für Autos ausgelegt, und selbst wo man auf ihrem Rand parken darf, gilt das nur für Autos bis 2,8 Tonnen. Wer seinen SUV auf den Gehweg wuchtet, der beschädigt öffentliches Gut.

? Was müssten die Behörden tun, damit Sie Windschutzscheiben verschonen?

! Falschparken konsequent ahnden – und zwar schärfer als heute. Parken mit Behinderung kostet in Deutschland nur 25 Euro, nicht einmal halb so viel wie Schwarzfahren im Bus. Es gibt europäische Länder mit Strafen über 100 Euro, da wird längst nicht so dreist geparkt. Da müssen auch wir hin.

? Aber bis es so weit ist, kleben Sie mit Lust?

! Den wenigsten Betroffenen macht es Spaß, sich mit Platzraub auf dem Gehweg herumzuschlagen.

 

Stefan Lieb ist Geschäftsführer des Vereins Fuss e.V. in Berlin, der das Gehen fördern will. Interview: Roland Stimpel.

 

Pressemitteilung von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland vom 1. Juni 2018
Meldung mit 4.180 Zeichen

Das Gespräch kann frei verwendet werden. Textänderungen und Sinn verändernde Kürzungen sind mit dem Fuss e.V. abzustimmen.

 

Ein Bild des Aufklebers gibt es zur freien Verwendung

Zu einem Beitrag Ist das Kleben von “Parke nicht”-Aufklebern auf Kfz strafbar? kommen Sie hier

Die Aufkleber sind im FUSS- und UMKEHR-Online-Shop -> "Aufkleber" erhältlich.

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Deutschlands Fachverband für Fußverkehr FUSS e.V. begrüßt das heutige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Diesel-Fahrverboten. Bundesgeschäftsführer Stefan Lieb: „Das kann sich als guter Tag für die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer herausstellen. In Deutschlands Städten verbringen die Menschen mehr Zeit im Verkehr auf den Beinen als hinterm Steuer. Es ist höchste Zeit, dass die größte und umweltschonendste Gruppe der Verkehrsteilnehmer endlich wirksam vor Vergiftung geschützt wird.“

Lieb verweist auf wissenschaftliche Studien, nach denen jährlich 7.000 bis 10.000 Menschen in Deutschland an Krankheiten sterben, die durch Feinstaub aus Auspuffen hervorgerufen werden. „Das sind zwei- bis dreimal so viele Feinstaub- wie Unfallopfer.“ Und oft trifft es gerade die Schwächsten im Verkehr: Kinder, Alte und Ärmere legen den relativ größten Teil ihrer Wege zu Fuß zurück.

FUSS e.V. nimmt auch zu den Folgen der Kapitalvernichtung Stellung, die Fahrverbote für die Eigentümer von Dieselautos bedeuten können. „Das entwertet zwar einerseits viel Fahrzeug-Kapital“, sagt Stefan Lieb. „Doch wesentlich wichtiger ist, dass mit der Atemluft ein lebenswichtiges Kapital für uns alle erhalten und wieder aufgewertet wird.“ - Und selbstverständlich müssen die Hersteller die Umrüstung leisten und finanzieren./p>

 

Wenn Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten mehr über unsere verkehrspolitischen Forderungen, Ziele und Positionen erfahren möchten, dann finden Sie hier Lösungen zu 50 Problemen des Fußverkehrs.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 27. Februar 2018

 

Maßnahmenvorschlag „Kostenloser Nahverkehr“ auf die Füße stellen

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FUSS e.V. begrüßt jede Anstrengung der Bundesregierung, Lebensqualität und Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen. Die Ergebnisse internationaler Projekte zum kostenfreien Nahverkehr zeigen jedoch u.a., dass vor allem Menschen in Bus und Bahn steigen, die zuvor zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Diese zusätzlichen Fahrgäste würden zwar Busse und Bahnen mehr als auslasten, brächten jedoch keine Senkung der Luftschadstoffbelastung.

Hier möchte FUSS e.V. ansetzen. Jeder Einzelne fällt seine individuellen Mobilitätsentscheidungen vor dem Hintergrund einer Vielzahl von Faktoren. Wir prognostizieren einen weiterhin bedeutenden Anteil des Fußverkehrs wenn:

  • die Gehwege intakt sind,
  • kein illegales Parken auf Gehwegen geduldet wird,
  • Zufußgehende bei Interaktionen mit anderen Verkehrsteilnehmer/innen nicht bedroht oder gefährdet werden und
  • nicht zu Letzt auch an Bänke und Bäume entlang der Wegeachsen gedacht wird.

Wer viele alltägliche Wege zu Fuß zurücklegen kann, stärkt Gesundheit und Wohlbefinden, ist „unter Leuten“ und gewinnt individuelle Zeit – diese weiteren positiven Aspekte des Zufußgehens sollten stärker kommuniziert werden. Sylke Petry, im Vorstand von FUSS e.V.: „Stimmen die infrastrukturellen, verkehrsorganisatorischen und informellen Randbedingungen, werden sich Viele dafür entscheiden, Wege zu Fuß zu genießen.“ Schließlich zeigen Untersuchungen und Modellprojekt: Wer aus dem Auto in der Stadt aussteigt und ein anderes Verkehrsmittel wählt, der nutzt in über der Hälfte der Fälle die eigenen Füße.

 

Wenn Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten mehr über unsere verkehrspolitischen Forderungen, Ziele und Positionen erfahren möchten, dann finden Sie hier Lösungen zu 50 Problemen des Fußverkehrs.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 14. Februar 2018

 

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Viele Politiker/innen und die derzeitige Bundesregierung glauben, dass auf Bundesebene kaum etwas für die Sicherheit und den Komfort des Fußverkehrs getan werden kann. Zum Glück irren sie sich. Fuss e.V. schrieb vor den Bundestagswahlen Abgeordnete und Fraktionen an und fragte sie nach ihrer Meinung zu sieben pragmatischen Vorschlägen. Drei davon möchte Fuss hier kurz vorstellen, ihre Umsetzung würde das Gehen in den Kommunen erleichtern und sicherer machen:

Die Fahrbahn queren

Die generelle Anweisung in der StVO, dass Fußgängerinnen und Fußgänger Fahrbahnen „zügig auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung" zu überschreiten haben „und zwar, wenn die Verkehrslage es erfordert, nur an Kreuzungen oder Einmündungen“ ist nicht mehr zeitgemäß. Sie wird in der Praxis mittlerweile zu einer nicht erforderlichen Einschränkung, zum Beispiel in verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen sowie in Tempo-30-Zonen. Insbesondere angesichts des demografischen Wandels sendet der Begriff „zügig“ an Autofahrer eine falsche Botschaft, ältere Menschen brauchen nun mal oft mehr Zeit zum Queren der Fahrbahn. Um das Satzungetüm in der derzeitigen StVO auf das Wesentliche und damit Verständliche zu reduzieren, schlägt Fuss e.V. folgende Formulierung vor: „Wer zu Fuß geht, hat Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zu queren“.

An Kreuzungen ist die Situation noch unübersichtlicher: „Hand aufs Herz, kaum ein Autofahrer und nur wenige Fußgänger sind doch wirklich sattelfest bei der Frage, wann Autofahrer beim Abbiegen den querenden Fußgängern Vorrang gewähren und warten müssen“, hat Stefan Lieb, Geschäftsführer von Fuss e.V., beobachtet. Da nur die Regeln wirksam sein können, die eindeutig sind, schlägt der Verein eine klare Formulierung für § 25 Absatz 3 der StVO vor: „An Kreuzungen und Einmündungen haben Fußgänger beim Queren der Fahrbahn Vorrang gegenüber abbiegenden Fahrzeugen.“ Diese Formulierung würde auch Autofahrern das Leben erleichtern und ihren Stress mindern.

Ortsdurchfahrten zu innerstädtischen Straßen machen

Kommunen können bei der Gestaltung von Ortsdurchfahrten oft nicht mitreden, besonders wenn Bund, Land oder Kreis Baulastträger sind. So hat z.B. der Bund die Regelbreite von Gehwegen an Bundesstraßen in seinen Richtlinien für Ortsdurchfahrten auf 1,50 Meter festgelegt. Wenn Kommunen breitere Gehwege anlegen wollen, müssen sie die Differenz selbst bezahlen, wozu viele Gemeinden nicht in der Lage sind. „Das ist ein Maß, das teilweise noch im letzten Jahrhundert galt, aber nicht mehr dem heutigen Stand der Verkehrsplanung entspricht“, kommentiert Stefan Lieb, „wenn alle bundesweiten Regelwerke breitere Gehwege vorsehen, müssen diese Standards auch auf allen Straßen innerhalb geschlossener Ortschaften zur Anwendung kommen, damit überholtes Wissen nicht mehr in Beton gegossen wird“. Die Bundesregierung müsse deshalb ihre Regelungen für Bundesstraßen den gültigen Standards anpassen.

 

Direkt-Link zu den sieben Vorschlägen von FUSS e.V.

Wenn Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten mehr über unsere verkehrspolitischen Forderungen, Ziele und Positionen erfahren möchten, dann finden Sie hier Lösungen zu 50 Problemen des Fußverkehrs.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 18. August 2017

 

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Der Bundesrat hat mit großer Mehrheit in seiner Sitzung das Bundesverkehrsministerium aufgefordert, den Bußgeldkatalog anzupassen. Lkw, die baulich gefährdete Brücken widerrechtlich befahren, sollen mit Bußgeldern bis zu 1.000 Euro belegt werden (Siehe z.B. Pressemitteilung des NRW-Verkehrsministeriums vom 14.10.2016).

Der Fachverband Fußverkehr Fuss e.V. unterstützt diese Initiative, hält sie jedoch für inkonsequent: Täglich stehen tausende von Pkw und Lkw auf Gehwegen, die für diese Belastung nicht geplant und gebaut wurden. Die Gehwege werden damit von den widerrechtlichen Nutzern beschädigt und müssen von den Kommunen repariert werden. „Das Ganze geht dann noch zu Lasten des Etats für den Fußverkehr“, so Stefan Lieb, Geschäftsführer von Fuss e.V., „und das Geld fehlt dann z.B. für Zebrastreifen.“

Der Verband schlägt folgerichtig vor, zusätzlich zu den derzeitigen Bußgeldern gegen das Falschparken auf Gehwegen, die das Behindern und Gefährden von Fußgängern ahnden, eine Summe von den Verursachern der Bauschäden zu erheben. Deren Höhe sollte sich ggf. am Gewicht des Fahrzeugs orientieren. Die Belastung der Verkehrsflächen wächst mit dem Gewicht des Fahrzeugs exponentiell mit der Potenz 4.

„Von neun untersuchten EU-Mitgliedsstaaten hat Deutschland die niedrigsten Bußgeldsätze für das Falschparken auf Geh- und Radwegen“, so Stefan Lieb, „dann sollten zumindest die nötigen Reparaturen nicht von den Betroffenen, sondern von den Verursachern bezahlt werden.“ („EU-Knöllchen-Report“, PDF, ab Seite 4) Der Verband bittet die Bundesländer, diesen Ansatz bei den Verhandlungen mit dem Bundesverkehrsministerium zu berücksichtigen. „Ihre klammen Kommunen werden es ihnen danken!“

 

Direktlinks zur Website des FUSS e.V., die sich mit dem (Falsch)Parken von Kfz auf Gehwegen befasst:
www.gehwege-frei.de und www.gehwege-frei.de/was-wir-wollen.html

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 17. Oktober 2016

 

Der FUSS e.V. stellte am 14.9.2016 von 11 bis 12.00 Uhr Verkehrssicherheit am Gefahrenbrennpunkt Roelckestraße in Berlin im Rahmen einer Aktion her.

Auf Höhe der Lehderstraße ist ein Queren für Fußgänger gefahrlos nicht möglich. Gehwegvor­streck­ungen fehlen. Keine Ampel. Parkende Autos versperren die Sicht, und in jede Richtung sind es rund 300 Meter bis zu einem gesicherten Übergang. Das 700 Meter lange Stück Straße zwischen Ostsee- und Langhansstraße verführt Autos und Motorräder zum Rasen.

Der letzte Unfall liegt drei Wochen zurück, berichten Anwohner. Fünf bis sechs Unfälle seien es pro Jahr. Matthias Dittmer, Fuss e.V. und Organisator der Aktion: „Diese Kreuzung ist in den Stoßzeiten geradezu ein Idealbeispiel für Orte, an denen man selbst als Erwachsener und nicht mobilitätseingeschränkter Fußgänger kalt­feuchte Hände bekommt.“

Der Gefahrenbrennpunkt Roelckestraße sei ein Beispiel für das Handlungsversagen des Senats. Auf dem Papier stehe eine Fußgängerstrategie, die sich gut liest. Umgesetzt werde sie nur zögerlich in wenigen Modellprojekten. Nicht einmal einen Fortsetzungs­beschluss für die bescheidenen Vorhaben gebe es.

Der Fuss e.V fordert vom künftigen Senat, die Fußgängerstrategie fortzuführen, umzusetzen und auf ganz Berlin auszudehnen. Der Verein will u.a. für Fußgänger folgende sicherheitsrelevanten Prinzipien umgesetzt sehen:

  • An Kreuzungen mit Ampeln können Fußgänger in einem Zug über die Straße gehen.
  • Falschparken auf Gehwegen wird konsequent geahndet. Werden Gehwege so zugestellt, dass weniger als 2 Meter Durchgang bleibt, wird abgeschleppt.
  • Bessere und mehr Sichtkontakte auf den Autoverkehr vorm Queren der Fahrbahn, d.h. mehr Lücken in die endlose Reihen der parkenden Autos z.B. durch Gehwegnasen und Fahrradabstellmöglichkeiten für Fahrräder im Parkstreifen.
  • Mehr und kompetentes Personal für die Fußverkehrsstrategie in den Behörden auf Senats- und Bezirksebene!

 

Kontakt:
Matthias Dittmer 0170/233 63 36

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 14. September 2016

 

Anlässlich der Auftaktveranstaltung für die Entwicklung von Fußverkehrsstrategien in Städten ist am Montag zum ersten Mal in Deutschland ein mit externen Experten besetzten Gremium des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland Fuss e.V. zusammengekommen, das sich bis 2018 ausschließlich mit der Frage beschäftigen wird, wie der Fußverkehr strategisch zu fördern ist. Gastgeber war die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin, der Stadt mit der ersten durch den Senat verabschiedeten Fußverkehrsstrategie in Deutschland.

Bernd Herzog-Schlagk vom Fuss e.V. machte deutlich, dass er eine „mit den anderen Verkehrsträgern abgestimmte intensive Förderung des Fußverkehrs in den Städten für unabdingbar hält, wenn die selbst gesteckten oder vorgegebenen Ziele der Unfallminderung, der Luftreinhaltung und des Lärmschutzes, der Klimapolitik und der Barrierefreiheit erreicht werden sollen.“ Dabei steht nach Ansicht der Fußgängerorganisation „Deutschland bei weitem nicht in vorderster Reihe, wenn es um die Förderung des Fußverkehrs geht. Es macht sogar den Eindruck, als habe es in den letzten Jahren den Anschluss verpasst.“

In der Tat haben die direkten Nachbarn nicht nur intensiv über die Vorteile des Gehens in den Städten nachgedacht, sondern längst Strategien entwickelt und Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Komforts von Fußgängerinnen und Fußgängern eingeleitet. So verwies Thomas Schweizer von Fussverkehr Schweiz auf die guten Erfahrungen mit dem bereits 2002 entwickelten umfassenden Konzept für den „Langsamverkehr“ und Dieter Schwab vom Verein walk-space.at stellte den 2015 in Österreich verabschiedeten nationalen „Masterplan Gehen“ sowie die daran gekoppelten strategischen Vorgehensweisen vor. Beide Pläne könnten Vorbildcharakter auch für Fußverkehrsstrategien in Deutschland haben.

Zahlreiche europäische Städte, wie z.B. Kopenhagen, London oder Stockholm arbeiten an einer strategischen Förderung des Fußverkehrs. Und sogar nordamerikanische Städte, wie z.B. Chicago und San Francisco, von denen deutsche Städte die allein auf das Auto ausgerichtete Verkehrsplanung früher übernehmen wollten, steuern mittlerweile um, angesichts ungelöster Probleme mit und durch den motorisierten Individualverkehr. Sie haben ebenfalls die Förderung des Fußverkehrs als einen Lösungsansatz entdeckt.

Wer zu Fuß geht, produziert weder Abgase noch Lärm, braucht keinen Sprit und wenig Platz. Der Fußverkehr ist das Bindeglied zwischen allen anderen Verkehrsarten der städtischen Mobilität und hilft, die städtischen Verkehrsprobleme zu lösen. So hat denn auch das Umweltbundesamt in der Veröffentlichung „Umweltverträglicher Verkehr 2050 – Argumente für eine Mobilitätsstrategie für Deutschland“ den Fußverkehr „als ernst zu nehmende Verkehrsart“ erkannt. Eine nationale Fußverkehrsstrategie für Deutschland gibt es bisher jedoch nicht. Deshalb wird der Fachverband FUSS e.V. notwendige Grundlagen und inhaltliche Ansätze für Fußverkehrsstrategien auf kommunaler Ebene zusammentragen und weiterentwickeln. Das Projekt wird ab 2016 bis Ende März 2018 durch das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) im Rahmen der Verbändeförderung und durch Projektspenden an den Verein unterstützt.

Ziel der Aktivitäten ist es, einen Handlungsleitfaden zur Förderung des Fußverkehrs in Kommunen zu erstellen, der auf die zuvor analysierten Bedürfnisse von Fußgängerinnen und Fußgängern eingeht. Dabei soll es nicht nur um Straßen und Plätze als Verkehrswege gehen, sondern auch um den barrierefreien Zugang und die Nutzung des öffentlichen Raumes durch alle Bevölkerungsgruppen zum Verweilen, zum Spielen und zur Kommunikation.

 

Direktlink zur Projekte-Website: www.fussverkehrsstrategie.de

 

Kontakt Montag, 5. September 2016, 14.00 – 18.00 Uhr:
Stefan Lieb, Bundesgeschäftsführer
0176/ 80 235 524

Kontakt ab Dienstag, 5. September 2016, 9.00 – 15.00 Uhr

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 5. September 2016

 

Mit der kommenden Änderung der StVO soll es „geeigneten Begleitpersonen“ erlaubt werden, radelnde Kinder ebenfalls per Fahrrad über die Gehwege zu lotsen. Am 7. September entscheidet der Verkehrsausschuss des Bundesrates, ob er die Vorlage des Bundeskabinetts annimmt. Fuss e.V. hatte sich als einziger Verband bei der Anhörung des Bundesverkehrsministeriums klar gegen mehr Radfahrer auf Gehwegen ausgesprochen. Die Argumente des Vereins haben anscheinend teilweise gefruchtet.

So sollen laut der geänderten Vorlage nur noch Kinder bis acht Jahren (vorher bis zehn Jahren) auf dem Gehweg radelnd begleitet werden dürfen. Desweiteren muss „auf zu Fuß Gehende [nicht nur] besondere Rücksicht“ genommen werden. Hinzu gekommen sind die beiden Sätze: „Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden“ und: „Soweit erforderlich muss die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden“.

Doch das ist nach Ansicht der Fußverkehrs-Lobby nicht genug: „Wenn Erwachsene Kindern das Rad fahren beibringen, sollen sie das richtig tun“, so Stefan Lieb, Geschäftsführer Fuss e.V., „und geradelt werden darf auf Radwegen, Radfahrstreifen und auf der Fahrbahn, nicht jedoch auf Gehwegen!“. Dort müssen Kinder bis acht Jahren fahren, wenn sie allein unterwegs sind. Das Fahren auf der Fahrbahn sollte nach Ansicht des Verbandes in Tempo 30-Zonen mit den Erwachsenen geübt werden. „Wenn Kinder zehn Jahre alt sind, müssen sie sowieso auf der Fahrbahn radeln. Daher sollte das rechtzeitig trainiert werden“, so Lieb. Kinder, die Rad fahren noch als Bewegungsablauf lernen, können natürlich dabei auf dem Gehweg begleitet werden – selbstverständlich zu Fuß, denn hier müsse man noch häufig korrigierend „Hand anlegen“, was vom Fahrrad aus sowieso nicht möglich sei.

Der Verein fordert daher den Verkehrsausschuss des Bundesrates auf, der Vorlage des Bundeskabinetts nicht einfach zuzustimmen, sondern für Klarheit zu sorgen und den Kindern die Möglichkeit einräumen, richtig Rad fahren zu lernen.

 

Permanent-Link zur Vorlage der StVO-Novelle (Bundeskabinett an Bundesrat).
Die in der Pressemitteilung behandelte Passage (§ 2 Absatz (5) StVO) finden Sie auf Seite 8 des pdf-Dokuments.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 31. August 2016

 

Durch geänderte Verwaltungsvorschriften der StVO sind für Zebrastreifen (im Amtsdeutsch „Fußgängerüberwege „kurz: „FGÜ“ genannt) erhöhte Anforderungen an die Beleuchtung Pflicht geworden. Das sei im Prinzip sinnvoll, meint die Fußverkehrslobby Fuss e.V anlässlich des Tags des Zebrastreifens am 1. September, da Fußgänger Zebrastreifen nutzen, damit sie für Autofahrer besser zu erkennen sind. Mit der neuen Vorschrift seien Zebrastreifen allerdings in vielen Kommunen gefährdet, da die Nachrüstung von Fußgängerüberwegen entsprechend den neuen Beleuchtungsnormen etwa je 10.000 Euro kostet. Das könnte klamme Kommunen veranlassen, Zebrastreifen zu entfernen.

Der Abbau von Zebrastreifen wegen Nichteinhaltung der Beleuchtungsvorschriften kann sich als Bumerang in Bezug auf die Verkehrssicherheit erweisen. Denn Untersuchungen zeigen: Die Anzahl, mehr noch als die Qualität, von Querungsanlagen beeinflusst die Verkehrssicherheit in einer Stadt.

FUSS e.V. wünscht sich daher möglichst viele Zebrastreifen. Um das zu erreichen, können nach Ansicht des Vereins in bestimmten Situationen Abstriche beim Beleuchtungsniveau in Kauf genommen werden. Besser wäre es allerdings, der Bund würde nicht einfach neue Vorschriften erlassen, sondern die Kommunen mit ausreichenden Finanzmitteln zu ihrer Umsetzung ausstatten.

Hintergrund-Info:

Seit 2013 überprüfen viele Städte ihren Zebrastreifenbestand. Anlass ist eine veröffentlichte Neufassung der Allgemeinen Verwaltungsvorschriften zur StVO (VwV-StVO). Diese geben nun ausdrücklich den Straßenverkehrsbehörden eine Verantwortung für die Einhaltung der Beleuchtungsvorschriften - auch bei bestehenden Altanlagen. Die Normen für die Beleuchtung werden in den „Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen 2001“ (R-FGÜ) des Bundesverkehrsministeriums definiert und in technischen Normen (DIN bzw. EN) präzisiert.

 

Interessantes zu Zebrastreifen und anderen Querungsanlagen für Fußgänger sind in der Broschüre „Querbuch - Wie Fußgänger sicher über die Straße kommen“ zu finden. Ein Probekapitel und weitere Informationen zu dieser Veröffentlichung des Fuss e.V. enthält www.querbuch.de .

 

Download des Beitrags zum Thema Zebrastreifen und Beleuchtung aus der kommenden Ausgabe der mobilogisch mit Beispielen, in welchen Situationen von den Normen abgewichen werden könnte.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 1. August 2016

 

In einem generationsübergreifenden Projekt haben in den Jahren 2014 und 2015 etwa 120 Schülerinnen und Schüler in Berlin ihre Großeltern oder andere ältere Menschen nach ihren Problemen und Wünschen im Straßenverkehr befragt. Geleitet vom Fachverband Fußverkehr Deutschland Fuss e.V. und gefördert durch die Verkehrslenkung der Senatsverwaltung offenbarten die durchgeführten umfangreichen Interviews, dass sich die Senioren nicht nur über Radfahrer und parkende Autos auf Gehwegen ärgern, sondern auch über die unzulängliche Infrastruktur in der Stadt. Projektleiter Bernd Herzog-Schlagk sieht bestätigt, dass „weiterhin an einer seniorengerechten und möglichst barrierefreien Straßenraumgestaltung intensiv gearbeitet werden muss.“

Herausragend waren die Probleme mit zu kurzen Grünzeiten an Ampeln, über die sich etwa 7 von 10 der Befragten negativ äußerten und die Zulässigkeit der bei Fußgängergrün gleichzeitig abbiegenden Fahrzeuge mit immerhin 6 von 10 der Befragten. Lediglich von etwa einem Drittel der Befragten wurden dagegen zu lange Wartezeiten genannt. Auf Gehwegen wurde an erster Stelle die unzureichende Schnee- und Eisbeseitigung kritisiert (7 von 10), und immerhin 6 von 10 Befragten beklagten sich über die Schäden in Gehwegbelägen, die immer wieder zu Stürzen mit teilweise schweren Folgen von Fußgängerinnen und Fußgängern führen. Bei der freien Nennung weiterer Probleme äußerten sich immerhin ein Viertel der Befragten negativ zu den Hinterlassenschaften von Hunden.

Aber auch über das Verkehrsverhalten der anderen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sind die Senioren recht unzufrieden. Auf Gehwegen waren es eindeutig die Radlerinnen und Radler sowie die unzulässig, geduldet oder gar zugelassenen parkenden Kraftfahrzeuge, die 7 von 10 Befragte als häufig störend angegeben haben. Ein ebenso großes Ärgernis stellen offensichtlich Fehlverhalten von Autofahrerinnen und Autofahrern an Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) dar. Es folgten die abbiegenden Fahrzeuge, welche den Gehenden häufig nicht den vorgeschriebenen Vorrang einräumen und die an den Überwegen in Kreuzungsbereichen verkehrswidrig abgestellten Fahrzeuge (jeweils 6 von 10).

Nach Ansicht des FUSS e.V. zeigen die hohen Anteile der Unzufriedenheit, so Herzog-Schlagk, „dass es für die Absicherung der Gehwege und Querungsanlagen aus der Sicht der zunehmend älter werdenden Stadtbevölkerung in Deutschland einen großen Nachholbedarf gibt.“ Der Verband wird die Erkenntnisse aus der Befragung als Grundlage für seine in den kommenden Jahren zu entwickelnde „Fußverkehrsstrategie“ verwenden (www.fussverkehrsstrategie.de).

Sie finden die Auswertung der Befragungen unter www.senioren-sicher-mobil.de > Schüler befragen Senioren > Modellvorhaben > Befragung.

Allgemeine Infos zum Projekt „Schüler befragen Senioren“ finden Sie hier unter www.senioren-sicher-mobil.de > Schüler befragen Senioren.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 23. Mai 2016

 

Der Fachverband Fußverkehr Deutschland Fuss e.V. bittet alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer um mehr Achtsamkeit bei der Benutzung mobiler Endgeräte. Von den etwa 2,4 Millionen Verkehrsunfällen in Deutschland pro Jahr wurden etwa ein Drittel durch Ablenkung verursacht, davon sind nach wissenschaftlichen Schätzungen wiederum mehr als ein Drittel der Handy-Nutzung zuzurechnen. Sie behindert die im komplexen Verkehrsgeschehen notwendigen schnellen Reaktionen.

Noch immer scheint vielen Autofahrerinnen und  Autofahrern nicht klar zu sein, dass sich ihr Fahrzeug selbst bei Tempo 30 in nur einer Sekunde Unaufmerksamkeit mehr als 8 Meter weiter bewegt, bei 50 km/h sind es sogar fast 14 Meter! Nach der Rechtsprechung der letzten Jahre ist selbst im Stand bei laufendem Motor das Ablesen der Uhrzeit vom Display untersagt und kann mit einem Bußgeld von 60 Euro belegt werden.

 

Der Fußgängerverband bemängelt insbesondere die Unaufmerksamkeit beim Einbiegen in eine andere Straße, bei dem der absolute Vorrang der diese Fahrbahn querenden Fußgänger zu beachten ist. Im Jahr 2014 war bei etwa jedem 10. Verkehrsunfall mit Personenschäden und auch mit Getöteten innerorts Fehlverhalten der Kraftfahrzeugführer beim Abbiegen die Unfallursache. Darüber hinaus weist der Bundesgeschäftsführer Stefan Lieb darauf hin: „Auch ein kurzes Halten für ein Telefonat an einer Haltestelle oder im 5-Meter-Bereich an Straßenkreuzungen oder Einmündungen ist unakzeptabel, gefährdet insbesondere Kinder und mobilitätseingeschränkte Fußgänger und ist laut StVO untersagt.“

 

Die Fußgängerlobby stellt allerdings klar, dass auch Fußgängerinnen und Fußgänger Verantwortung für die Verkehrssicherheit tragen. Deshalb ruft der Fuss e.V. die Fußgängerinnen und Fußgänger auf, insbesondere vor und beim Queren der Fahrbahnen stets jedwede Beschäftigung mit dem Handy zu unterbrechen. Durch mangelnde Aufmerksamkeit kann man sich selbst und andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer gefährden oder sogar in Lebensgefahr bringen. Auch auf Gehwegen sollte beachtet werden, dass Menschen mit Sehbeeinträchtigungen besondere Rücksicht und Aufmerksamkeit von den anderen Verkehrsteilnehmern erwarten müssen, da sie selbst nicht kurzfristig ausweichen können.

 

Daneben sind allerdings nach Ansicht des Verbandes auch die Kommunen dazu aufgerufen, soweit wie möglich die Gefahren für den Fußverkehr insbesondere durch den Abbiegeverkehr an Kreuzungen und Einmündungen zum Beispiel durch Gehwegvorstreckungen zu vermindern. Auf für den Fußverkehr vorgesehenen Flächen sollte eine weitestgehende Barrierefreiheit angestrebt werden. Es ist nach Stefan Lieb „grundsätzlich davon auszugehen, dass zu Fuß gehende Menschen sich hier frei und unaufmerksam bewegen können. Hier bewegen sie sich nicht geradlinig wie Fahrzeuge, sondern verweilen, sprechen miteinander oder telefonieren.“

 

Quelle zur Aussage im zweiten Absatz:

Schätzungs-Aussage von Verkehrsforscher Prof. Michael Schreckenberg, Universität Duisburg-Essen, aus: Hamburger Abendblatt 3.9.2015

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 23.3.2016

 

Nach Ansicht des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland FUSS e.V. endet das „Internationale Jahr des Lichts“ in Deutschland, ohne dass eine Diskussion darüber geführt wurde, ob unsere Städte und Dörfer noch zeitgemäß beleuchtet werden. Das von der UNESCO koordinierte Jahr des Lichts 2015 konnte nach Aussage von Bernd Herzog-Schlagk vom FUSS e.V. den notwendigen Wandel nicht einleiten: „Noch immer ist man in vielen Städten der Auffassung, dass Fahrspuren für den Autoverkehr oder gar Kfz-Abstellflächen hell beleuchtet werden müssen, während die Menschen am Straßenrand häufig in der Dunkelheit verbleiben.“

Darüber hinaus macht der Verband darauf aufmerksam, dass die Kreuzungen und Einmündungen sehr häufig nicht ausreichend ausgeleuchtet werden, um damit insbesondere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Senioren zu Fuß oder mit dem Rad zu schützen. Im letzten Jahr starben in Deutschland 523 Fußgängerinnen und Fußgänger im Straßenverkehr, davon mehr als jeder Dritte in den lichtschwachen Monaten November bis Januar. Es ist lange bekannt, dass die schlechte Ausleuchtung von Kreuzungen auch gerade mit Ampeln eine große Unfallquelle darstellt.

Die Fußgängerlobby aber fordert nicht mehr Licht in unseren Städten, sondern den gezielteren Einsatz von kostbarer Energie für Licht am richtigen Fleck. Insbesondere sollte im Rahmen von Förderprogrammen zur Energieeinsparung bei der Straßenbeleuchtung an die richtige Platzierung der Leuchten gedacht werden.

Motorisierte Fahrzeuge haben mittlerweile Beleuchtungsanlagen, die andere Verkehrsteilnehmer blenden. Hier fordert der FUSS e.V., so Herzog-Schlagk „eher eine Abrüstung statt noch grellere Lampen sowie Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung, damit die Autofahrer rechtzeitig reagieren können.“ Überdimensionierte Beleuchtungsmasten in Straßen sollten nach Ansicht des Verbandes ersetzt werden durch energiesparende Beleuchtungen der deutlich kleineren Flächen, die von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden. In Seitenstraßen würde es mitunter ausreichen, die Bogenlampen zu schwenken, das heißt weg von den abgestellten Fahrzeugen hin zum Gehweg. Darüber hinaus ist mehr Licht zur Verbesserung der sozialen Sicherheit auf bisher dunklen Wegen notwendig.

Die Generalkonferenz der UNESCO hat zum Jahr des Lichts einen Beschluss im November 2013 gefasst; die Ausrufung des UN-Jahres erfolgte durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 20. Dezember 2013. Themen des UN-Jahres „Internationales Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien 2015“ waren unter dem Motto „Light for Change – Licht für Wandel“ u.a. Lichtverschmutzung und das Sparen von Energie für Licht bzw. die Entwicklung von günstigen energieeffizienten Lichtquellen für Entwicklungsländer.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 21.12.2015

 

Am Sonntag, den 15. November erinnert der Fachverband Fußverkehr Deutschland Fuss e.V. anlässlich des "Weltgedenktags für die Straßenverkehrsopfer" an die Verunglückten und ihre Angehörigen. Gleichzeitig macht der Verband darauf aufmerksam, dass bei der Erfassung von Unfallopfern immer noch nicht die notwendige Differenzierung zwischen Schwerverletzen und Schwerstverletzten vorgenommen wird. Eine solche Unterscheidung würde die Planung und Bewertung von Maßnahmen hinsichtlich ihrer Sicherheit verbessern, besonderen Handlungsbedarf aufzeigen und die Dimension der immensen Folgen von Unfällen verdeutlichen.

Im letzten Jahr starben innerorts in Deutschland insgesamt 983 Menschen in Folge von Verkehrsunfällen. Vier von zehn dieser Unfallopfer waren Fußgänger. Die Hälfte der als Fußgänger tödlich verunglückten Personen wiederum waren Senioren über 65 Jahre, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Angesichts des demografischen Wandels muss allein aufgrund der Alterung der Bevölkerung Deutschlands von mehr Verkehrstoten in Zukunft ausgegangen werden, insbesondere bei den unmotorisierten Fortbewegungsarten.

Was man allerdings den offiziellen Daten nicht entnehmen kann, ist die Anzahl der "Schwerstverletzten". Diese Gruppe wird noch nicht statistisch gesondert erhoben, sondern fließt in die Gruppe der Schwerverletzen ein. Da man bereits mit einem stationären Krankenhausaufenthalt von 24 Stunden als schwerverletzt gilt, wird so die Unterscheidung zu schwerstverletzten Opfern mit Langzeitschäden unmöglich. „Neben dem großen individuellen Leid der schwerstverletzten Unfallopfer verschwindet auf diese Weise eine ganze Betroffenengruppe aus dem Blickfeld“, so Stefan Lieb, Sprecher von FUSS e.V.

Der „ Weltgedenktag für die Straßenverkehrsopfer“ wurde durch die UN-Generalversammlung initiiert und wird seit 1995 (also seit 20 Jahren) am dritten Sonntag im November begangen. Angeregt hatten diesen Gedenktag die WHO und die Weltbank.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 14.10.2015