Die Phineo gemeinnützige AG fördert das FUSS-Projekt „Kinder bewegen sich selbst – und ihre Welt“. Darin sollen Kinder ihre Mobilitätswelt betrachten, Stärken und Schwächen herausfinden und Verbesserungen vorschlagen.

Das Projekt will mit Kindergruppen deren Mobilitätsalltag untersuchen, Qualitäten und Defizite herausarbeiten, Verbesserungen konzipieren und umsetzen. Ziel ist, dass Menschen und insbesondere Kinder mehr, lieber und unter besseren Bedingungen gehen. Die Phineo gemeinnützige AG fördert es im Rahmen ihrer Initiative Mobilitätskultur.

Im ersten Schritt ermitteln die Kinder, wie sie im Alltag mobil sind, was ihnen Freude macht, was sie beschränkt, gefährdet, ängstigt. Die Kinder gewinnen Kenntnisse und Bewusstsein über ihre Verkehrs-Umwelt und dokumentieren das auf ihre Art (gemalt, geschrieben, fotografiert, gebastelt). Im zweiten Projektschritt erkunden die Kinder, ob s in ihrem Umfeld neue Wege und Routen gibt, und probieren sie aus. Wo auf altbekannten und neu entdeckten Wegen Mängel und Gefahren auftreten, erarbeiten sie Verbesserungsvorschläge. Denkbar ist alles vom Zebrastreifen über schmalere Fahrbahnen, nicht mehr beparkte Gehwege, Spiel- und Grünstraßen, vom Schultor verbannte Elterntaxis und vieles mehr.

Der dritte Schritt ist eine öffentlichkeitswirksame Aktion für die Vorschläge. Auch da sind alle Formen möglich – zum Beispiel eine kleine Ausstellung, eine Projektvorstellung in der Schule, eine Website, Termine mit lokalen Medien, Stadtbehörden, Kommunalpolitik und -polizei. Ihr gemeinsames Ziel ist eine Veränderung in der gebauten und gestalteten Verkehrs-Umwelt und/oder eine Veränderung im Verhalten (z.B. ein Tempolimit, mehr Wege zu Fuß und mit dem Rad als im Auto).

Das Projekt strebt Kompetenzgewinne und Schaffung von Handlungspotenzialen für Kinder an:

  • Kompetenzgewinn bei den Themen Raumerfahrung, -analyse und -verbesserung, Darstellung und Kommunikation von Situationen und Problemen im Stadtraum.
  • Einübung der Kinder in den Umgang mit öffentlichen Angelegenheiten: Defizit-Erkennung, Ursachen, Interessenkonflikte, Wege zur Verbesserung, Institutionen, Kompromisse und mehr. Diese Erfahrungen können auf vielen politischen und gesellschaftlichen Feldern genutzt werden – weit über den Fußverkehr hinaus.
  • Mobilitätspädagogik: Wertschätzung des Gehens, eigenständige Bewegung, Gewinn von Selbständigkeit, Selbstvertrauen und Sicherheit, Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmer*innen. Abbau von Bewegungs-Defiziten und ihren Folgen (Übergewicht, motorische Schwächen u.a.)

Nach der Studie des Bundesverkehrsministers „Mobilität in Deutschland 2017“ legen 7- bis 10-jährige 35 Prozent ihrer Wege vollständig zu Fuß zurück – das ist ein höherer Anteil als in jeder anderen Altersgruppe. Bei den 11- bis 13-jährigen sinkt der Anteil der Fußwege wegen der zunehmenden Fahrradnutzung und der größeren Entfernung zu Schulen auf 23  Prozent, ist damit aber immer noch höher als in allen Gruppen im Erwerbsalter bis 65. Kinder sind also eine besonders wichtige und potenzialstarke Zielgruppe, wenn es um Fußverkehr geht.

Es gibt gravierende Defizite, die Kinder am Gehen hindern: Bei der Gestaltung des Straßenraums, der Verkehrsplanung und -überwachung haben Kinder meist nur geringen Stellenwert. Wege und Querungen sind unzureichend, Verstöße von Fahrzeuglenker*innen werden kaum geahndet. Ihre Mobilität und ihre Möglichkeiten zur Welterforschung und -erschließung werden eingeschränkt. Sie erreichen manche Orte gar nicht, zu denen sie sich sonst bewegen würden, und andere Orte nur in Begleitung Erwachsener.

„Elterntaxis“ haben eine Negativspirale in Gang gesetzt: Je mehr Eltern ihre Kinder per Auto zur Schule bringen und abholen, desto unsicherer und unangenehmer wird der Schulweg zu Fuß für andere – die dann ebenfalls gefahren werden.

Konventionelle Verkehrserziehung lehrt frühzeitig: Wer im Auto sitzt, ist privilegiert. Das prägt frühzeitig das künftige Mobilitätsverhalten. Kinder lernen es, Defizite im Verkehrsraum und Verkehrsrechte als gegeben und nicht veränderbar hinzunehmen. Ihnen wird die Haltung vermittelt „Die Straße bestimmt das Verhalten des Menschen – und nicht der Mensch die Gestaltung der Straße, ihre Nutzbarkeit und die hier geltenden Regeln.“

Damit lernen Kinder ein Verkehrs- und Alltagsverhalten, das für sie selbst, ihre jetzigen und künftigen Lebensorte und für das Verkehrsgeschehen insgesamt von Nachteil ist: Ihre eigene Mobilität wird direkt, die Mobilität anderer langfristig indirekt eingeschränkt, indem die Bewegung zu Fuß, auf dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gering geschätzt und andere durch eigenen Autogebrauch dabei behindert werden.

Die Förderung unseres Projektes erfolgt im Rahmen der "Initiative Mobilitätskultur".