Erster Schritt: Auf die Beine!

FUSS e.V. ist kein Wander- oder Sportverband, aber unser erster Appell heißt: Gehen Sie los! Unterwegs wird am deutlichsten, warum und wo Engagement für das Gehen einsetzen sollte.

 

Zweiter Schritt: Selbstbewusstsein

Eine wichtige Voraussetzung für Geh-Engagement: Stärken und präsentieren Sie Selbstbewusstsein. Machen Sie sich und anderen bewusst, dass Sie für die wichtigste Verkehrsteilnehmergruppe kämpfen und für elementare Bedürfnisse: Freie Bewegung, Sicherheit, Gesundheit. Hier Links zu guten Argumenten für den Fußverkehr:

  • Bedeutung im Verkehr
  • Gesundheit
  • Umwelt
  • Soziales
  • Freiheit

Verlangen Sie Vorrang für Fußgänger-Belange – auch im Interesse der Stadt und der Gesellschaft: Er entlastet Straßen und Umwelt und hebt die Lebensqualität.   

 

Dritter Schritt: Gemeinsam geht besser

Suchen Sie Mitstreiter in Ihrem Umfeld – Nachbarschaft, Beruf, Schulen oder Weg-Genossen, die Sie unterwegs treffen. Viele ärgern sich über schlechte Wege, aber schlucken es hinunter. Ergreift aber jemand anders die Initiative, machen sie mit.

 

Vierter Schritt: Mängel feststellen

Gehen Sie häufiger benutzte Wege gemeinsam und systematisch ab. Halten Sie alles fest, was Sie mangelhaft finden – zum Beispiel zu schmale und zweckentfremdete Wege, schwierige Fahrbahn-Übergänge, fehlende Fußverbindungen und schlechte Orientierung. Halten Sie das auf Karten, Skizzen, Fotos und schriftlich fest.

Fürs erste reicht gesunder Geher-Verstand. Wenn Sie das ganze systematisch und umfassend anregen wollen, lassen Sie sich hier  zu professionellen Fußverkehrs-Checks anregen.

 

Fünfter Schritt:  Geh-Ziele – was wollen Sie erreichen?

Definieren Sie Ihre Ziele: Gefahren und Mängel, die behoben werden sollen. Der Stopp von Projekten, die den Fußverkehr behindern würden. Bestehende, bessere Wege – oder neue?

 

Sechster Schritt: Ins Behörden-Labyrinth

So einfach das Gehen, so zersplittert sind in Verwaltungen und Politik die Zuständigkeiten für Geh-Probleme. Das ist eine Folge langjähriger Geringschätzung des Themas. Niemand hat fürs Gehen den Hut auf oder besser den Schuh an. Nur an wenigen Orten sieht es besser aus – Leipzig zum Beispiel hat seit Anfang 2018 einen eigenen Fußverkehrs-Beauftragten, der auch Bürger durch den Verwaltungsdschungel lotsen kann

Hinzu kommt: In jeder Stadt wuchert dieser Dschungel etwas anders. Die Zuständigkeiten sind verschieden verteilt, die Ämter haben unterschiedliche Namen. Es gibt kommunale Verwaltungen, in den größten Städten auch noch unterteilt in gesamtstädtische und solche für Stadtteile. Für Landes- und Bundesstraßen können wieder andere Ämter zuständig sein. Es gibt Infrastruktur-Dienstleister wie Wasserwerke, Gaswerke und Telekom.

Hier grob die wichtigsten und gängigsten Themen und die häufig dafür zuständige Stelle. Das kann aber je nach Ort und Fall auch eine ganz andere sein.

Wofür?

Wer?

Bauliches und Gebautes

Straßen-/Tiefbauamt

Schilder und Regeln

Verkehrsbehörde (meist Ordnungsamt)

Wegenutzung und Privatgebrauch („Sondernutzungen“)

Ordnungsamt

Gefahren und Regelverstöße

Polizei

Pflanzen auf Gehweg und Fahrbahn

Grünflächen- bzw. Gartenamt

Privates Grün (z.B. Hecken, Bäume)

Grundstückseigentümer

Anliegendes Haus/Grundstück

Eigentümer oder Mieter

Dreck und Müll

Stadtreinigung, Müllabfuhr. Geldbußen: Ordnungsamt

Baustelle

Straßenverkehrs- oder Straßenbaubehörde, Bauherren

Winterdienst

Eigentümer oder Beauftragter

Haltestellen, Gleise

Verkehrsbetriebe

Kreis-, Landes- und Bundesstraßen

ggf. Fachbehörde, z.B. beim Regierungspräsidenten oder Bundesland

Haushaltsmittel, größere Planungen und Sanierungen

i.d.R. Kommunalparlamente, z.T. Land/Bund

Private Straßen und Wege

Eigentümer oder Beauftragte

 

Siebenter Schritt: Fachkompetenz holen

Suchen Sie sich Experten für Fußverkehr – Stadtplaner, Freiraumplaner, Ingenieure, Verkehrsplaner oder Architekten.

Bei FUSS e.V. können wir Ihnen Tipps zur Recherche und Erschließung von eigenem Know-how geben. Wir können aber selbst keine Pläne erstellen. Was wir als Starthilfe für Ihre Vor-Ort-Arbeit leisten können, steht unten.

 

Achter Schritt: Netze auswerfen

Treten Sie als Gruppe auf, nicht einzeln. Beziehen Sie Institutionen ein
(z.B. Schulen und Firmen). Suchen Sie gleichgesinnte Gruppen (z.B. Schulweg-Initiativen). Und suchen Sie lokale Verbündete (z.B. Parteien, Verbände für Kinder, Senioren, Behinderte, Umwelt usw.)

Last not least: Vernetzen Sie sich mit uns. Wir unterstützen nach Kräften den Start ihrer Vor-Ort-Arbeit. Sie können eine FUSS e.V.-Ortsgruppe gründen, eine eigene Website unter unserer Adresse erstellen, Flyer und anderes Material bekommen, und wann immer wir es schaffen, kommt jemand vom Bundesverband zu Ihrer Start-Veranstaltung – einer Diskussionsrunde, einer öffentlichen Begehung, einem Pressegespräch oder was immer Sie wünschen.

Außerdem profitieren Sie von uns als Berliner Lobby-Organisation, als zunehmend in Medien und Öffentlichkeit bekanntem Verein und als Netzwerk und Plattform für Experten und Know-how.  

 

Neunter Schritt: Druck machen

Gehen Sie auf Behörden und Mandatsträger (z.B. Gemeinderats-Mitglieder) zu. Nicht immer erregen Sie Begeisterung, aber oft freut man sich, weil Ihr Anliegen auch das Ihrer Gesprächspartner ist – und Sie sich gegenseitig helfen können.

Sprechen Sie Presse, Rundfunk und Fernsehen an. Besser als abstrakte Texte sind konkrete, anschauliche Themen und Aktionen – zum Beispiel an einer gefährlichen Straße

Nutzen Sie eigene Medien: Website (ggf. als FUSS e.V.-Ortsgruppe), Twitter, Facebook, Flyer usw.

Gehen Sie mit einem Stand (Tapetentisch reicht)  auf Märkte, Bürgerfeste usw.

Machen Sie Vor-Ort-Termine und Begehungen mit Vertretern von Behörden, Politik, Medien

Machen Sie Vor-Ort-Aktionen: Demonstration, Kundgebungen, Sit-Ins, symbolisches Aufstellen von Tempo-30-Schildern, symbolisches Verhüllen von Vorfahrtschildern usw. All das müssen Sie bei der Polizei anmelden

Fordern Sie bei uns Aufkleber „Parke nicht auf unseren Wegen“ an und benutzen Sie sie. Hier alles zum Thema

Sprechen Sie Gehweg-Störer direkt an, die illegal und/oder gefährlich parken, radfahren, den Gehweg zustellen usw.

Rufen Sie Polizei oder Ordnungsamt

Greifen Sie bei akuter Gefahr für Leib und Leben selbst ein (z. B. Fahrbahn provisorisch sperren mit Flatterband oder quer gestelltem Fahrrad). Das ist aber wirklich nur bei akuter Gefahr erlaubt. Der klassische Fall ist das Sichern einer Unfallstelle

Wenn Sie Rechtsverstöße sehen, drohen Sie mit Klagen oder Dienstaufsichtsbeschwerden. Und lassen Sie es, wenn es sein muss, nicht bei der Drohung.

 

Zehnter Schritt: Weiter gehen!

Wenn Sie Erfolg haben, feiern Sie das mit einem Spaziergang. Wenn nicht, atmen  Sie erstmal auf einem Frust-, Denk-, oder Ermutigungsgang durch.