Städte sind feinmaschige Netze, in denen sich tausendfach Wege kreuzen. Sind es die Wege von Fußgängern, stellt sich für Planung und Alltagspraxis kein Problem. Denn wir regeln das intuitiv, egal wie wuselig es zugeht.

An Kreuzungen von Gehwegen und Fahrbahnen stellen sich umso mehr Herausforderungen:

  • Fahrzeuge sind durch Tempo und harte Hülle gefährlich für uns. Werden Fußgänger von Fahrzeugen gerammt, geschieht dies fast immer auf Fahrbahnen.
  • Die Kreuzungen sind häufig; oft liegen keine hundert Meter dazwischen. Gehwege werden so viel häufiger unterbrochen als alle Fahrbahnen.
  • Konventionell hat der Fahrverkehr Vorrang. Das kostet uns Zeit und Nerven.
  • Fahrzeuge fressen viel Platz. Damit es keine Staus auf Fahrbahnen und Gleisen gibt, erhalten sieVorrang oft auch dann, wenn zu Lasten weniger Menschen in Fahrzeugen viele Menschen zu Fuß aufgehalten werden.
  • Breite Fahrbahnen haben oft Mittelinseln. Wo es keine Ampeln gibt, ist das stets sinnvoll. Wo es welche gibt, sind sie oft so geschaltet, dass Fußgänger oft erst am Fahrbahnrand und dann nochmals auf der Straßenmitte warten müssen. Wer diagonal über Kreuzung will, wartet bis zu viermal. Und oft gibt es nur drei Fußgängerampeln, aber auf der vierten Seite keine. Wer hier über die Fahrbahn will, bekommt seinen Weg in bis zu sechs Etappen zerlegt.

Für das feinmaschige, vielfache Kreuzen von Wegen propagieren wir folgende Regeln:

  1. Kreuzungsorte müssen sicher sein; das geht am besten durch Tempo-Reduzierung der schnelleren Verkehrsmittel und durch Vorrang für Ungeschützte.
  2. Verkehrsmittel werden bevorzugt, die die Stadt schonen - Fläche, Infrastruktur und Haushalte, Menschen und Umwelt.
  3. Effizienz meint nicht: Besonders viele Fahrzeuge kommen über den Kreuzungspunkt, sondern: Besonders viele Menschen tun es.
  4. Verursachen Verkehrsmittel wegen ihres Flächenbedarfs besondere Probleme an Kreuzungspunkten, wird das nicht zu Lasten anderer Verkehrsmittel gelöst.
  5. Scheinbare „große Lösungen“ wie Stadtautobahnen, Stadtbahntrassen zu ebener Erde und auch Fahrradschnellwege drohen feinmaschige Stadtnetze zu zerreißen. Oft zerstören sie mehr Nahverbindungen, als sie neue Fernverbindungen schafft. Sie verlängern Querverbindungen. Sie führen zur Konzentration von Einrichtungen aller Art dort, wo von den Schellwegen viele hinkommen. Kleinere, dezentrale Einrichtungen mit kurzen Zugangswegen werden durch große mit längeren Wegen ersetzt. Das verlängert wiederum Wege. Wird eine Schnelltrasse für wen auch immer geplant, sind gegen die Vorteile für ihre Nutzer die Nachteile für viele andere abzuwägen.