Parkraumprobleme sind im Fußverkehr eher selten: Hausbesichtigung in München.

Gehen ist die Basis allen Verkehrs. Auch heute liegen viele Menschen mehrere Kilometer am Tag zurück, andere nur ein paar Meter zur Haltestelle, zum Radständer oder zum Parkplatz. Auch wer fährt, fängt mit einem Fußweg an und hört damit auf. In großen Städten werden mehr Wege zu Fuß zurückgelegt als hinterm Steuer.

Gehen ist Mobilität ohne Fahrschein und Führerschein, ohne technisches Gerät und ohne Platzbedarf zum Abstellen von Fahrzeugen. Der Bürgersteig ist Freiraum: Selbst in Deutschland gibt es hier fürs Gehen keine Verkehrsregeln. Nur auf dem Gehweg können viele Menschen sich selbständig bewegen: Kinder, Senioren, Menschen mit wenig Geld oder mit körperlichen Einschränkungen, die sie am Rad- oder Autofahren hindern.

Gehen hält gesund, verlängert das Leben und hebt die Stimmung. Man spürt Wetter und Jahreszeit, trifft Bekannte und sieht viele andere Menschen. In einer halben Stunde erreicht man locker fünf einzelne Ziele. Wo es Raum und Bänke gibt, können Kinder spielen und Senioren ausruhen. Viel begangene Straßen sind belebter und damit sicherer, oft auch sauberer als einsame Orte. Im öffentliche Raum treffen sich verschiedenste Menschen. Er ist ein wichtiger Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.

 

Zu Fuß am Ende der Nahrungskette

Aber in der Verkehrspolitik und in der Stadtplanung spielt Gehen meist nur eine Nebenrolle. Denn wer geht, schafft es immer irgendwie, selbst auf dem schmalsten und umständlichsten Weg, wenn auch oft mehr schlecht als recht. Das ist die Tragik des Fußverkehrs: Gerade wegen seiner Flexibilität und Anpassungsfähigkeit wird er den größten vernachlässigt und den größten zumutunten ausgesetzt. Alle, die fahren, beanspruchen mehr Raum, mehr Infrastruktur, mehr Technik und letztlich mehr Steuergeld. Lärm, Atemgift, Unfälle – alles Fahrzeugprobleme, keine Gehprobleme. Auch als Konsumenten sind Gehende nicht sehr spannend: Was sind schon die neun Milliarden Euro, die wir jährlich für Schuhe ausgeben, gegen die 190 Milliarden für den Autokauf?

Die Geh-Blindheit in Politik und Planung hat tragische Folgen: Fast immer, wo geplant, gebaut und geregelt wird, laufen Fußgänger als die Schwächsten am Ende der Nahrungskette. Sie sind buchstäblich an den Rand gedrängt und sollen sich mit immer schmaleren Pfaden begnügen, die auch noch illegaler Parkplatz und Radweg, Kneipenvorgarten, Werbefläche oder Sperrmüll-Depot sind. Fußgänger sollen über die Fahrbahn hetzen, an der Kreuzung bis zu sechsmal bei Rot warten, und Kinder sollen nach Ansicht vieler gar nicht gehen – oder nur unter Aufsicht und mit Warnweste. Wer beim Gehen vom Autotempo überfordert ist, wem parkende Fahrzeuge die Sicht auf die Fahrbahn nehmen oder wer nur kurz verträumt ist, dem droht die Todesstrafe – in Deutschland 483mal im Jahr 2017, dazu kamen 30.564 Verletzte.

 

Vision für den sanften Verkehr

All das treibt Menschen, die laufen könnten und eigentlich wollen, ins Fahrzeug. Es nimmt uns die Freiheit der Selbstbewegung. Damit schränkt es stärksten Junge und Alte, Ärmere und Behinderte ein. Es bringt mehr Lärm, Gift, Staus, Flächenfraß und Zwang zur Motor-Mobilität. Es ist so teuer wie ungesund.

FUSS e.V. hat die andere Vision: einen Verkehr mit Vorrang für das Einfache, Unaufwendige, für alle Zugängliche und Freundliche.