FUSS e.V. präsentiert 66 Schritte zu fairen Regeln im Straßenverkehr. Es geht um freie, sichere und breite Wege, Tempolimits auf der Fahrbahn und den Fußgänger-Grünpfeil, der das Gehen auch bei Rot erlaubt.

Fußgänger unter sich brauchen kein Verkehrsrecht. Unsere Bewegung auf dem Gehweg ist nicht geregelt; die Straßenverkehrsordnung sagt nichts über Rechts- oder Linksgehen, Überholen, Zeichen geben, Anhalten oder Vortritt gewähren. Menschen auf Beinen brauchen keinen Geher-Schein, Schuhe keine Zulassung. Unser Verkehr regelt sich meist intuitiv. Unfälle zwischen Fußgängern sind so selten und harmlos, dass die Statistik sie nicht erfasst.

Nicht zuletzt darum spielen Fußgänger im Verkehrsrecht nur eine Nebenrolle. In der Straßenverkehrsordnung sind ihnen zwei von 53 Paragrafen gewidmet. Die meisten Regeln gelten dem Teil des Verkehrs, der kompliziert, konfliktträchtig und gefährlich ist und nur in einem formalen Gerüst funktioniert. Aber auch wenn Fußgänger dabei oft nicht erwähnt werden, sind sie häufig betroffen. Ein Beispiel: Jede Regel, die höheres Tempo zulässt, gefährdet sie und erschwert das Queren von Fahrbahnen.

Wo Fußgänger im Verkehrsrecht direkt vorkommen, geht es meist um ihr Verhältnis zu anderen Verkehrsteilnehmern und ihr Verhalten auf den Straßenteilen Anderer. Gelegentlich steht dabei der Sicherheitsbedarf von Fußgängern im Vordergrund – etwa bei Zebrastreifen. Öfter aber werden sie als diejenigen behandelt, die Fahrzeuge aufzuhalten und zu stören drohen. Durch unsere Straßenverkehrsordnung weht noch heute der Geist, den der Mitautor der ersten Reichs-StVO von 1934, Hermann Gülde, so charakterisierte: „Der Langsame hat auf den Schnelleren Rücksicht zu nehmen.“

Wir sehen es umgekehrt: Gehen ist die Basis allen Verkehrs, fast alle können und tun es. Die Füße sind das einfachste, verbreitetste, kostengünstigste und unschädlichste Verkehrsmittel für die erste, letzte und einzige Meile. Dem entsprechend sollte Gehen im Verkehrsrecht nicht mehr als Nebensache und Störfaktor behandelt werden, sondern als primäre und prioritäre Bewegungsform. Das ist der Grundgedanke des Papiers „Verkehrsrecht auf die Füße stellen“.

Vier wichtige Punkte aus den 66 in diesem Papier:

  • Gehen braucht Raum. 2,50 Meter werden auf jedem Gehweg freigehalten.
  • Auf der Fahrbahn wird Tempo 30 innerorts zur Regel, 50 zur Ausnahme.
  • Wo Gehwege schlecht benutzbar sind, dürfen Fußgänger auf der Fahrbahn gehen; Fahrende müssen entsprechend vorsichtig sein.
  • Wenn sich kein Fahrzeug nähert, dürfen Fußgänger bei Rot über die Ampel.

Hier die Broschüre zum Download  (PDF, 0,7 MB).

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